Neue Hiobsbotschaften für VW-Konzern

Erneuter Wirbel um Volkswagen: Hunderttausende VW-Dieselautos - aber auch Benzinmotoren - könnten mehr Sprit verbraucht und damit auch mehr CO2 ausgestoßen haben als vom Hersteller angegeben. Dem Konzern entsteht weiterer Milliardenschaden.

Der Abgas-Skandal im VW-Konzern erreicht wieder eine neue Dimension. Volkswagen musste am Dienstag nun auch Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten einräumen - außerdem sind damit erstmals auch Benziner und nicht nur Dieselfahrzeuge betroffen. Dabei geht es um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) - und damit um den Spritverbrauch.

800 000 Autos betroffen

"Nach derzeitigem Erkenntnisstand können davon rund 800 000 Fahrzeuge des VW-Konzerns betroffen sein", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstagabend in Wolfsburg. "Die wirtschaftlichen Risiken werden in einer ersten Schätzung auf rund zwei Milliarden Euro beziffert." Damit hat Europas größter Autokonzern in der Abgasaffäre eine neue milliardenschwere Baustelle. Der Aufsichtsrat reagierte in einer Mitteilung "mit Betroffenheit und Sorge" auf die neue Dimension. Laut dpa wird sich die Aufsichtsratsspitze spätestens am Sonntag treffen, der komplette Aufsichtsrat am Montag.

Bisher ging es in dem Skandal um Stickoxid (NOX). Im September hatte das Unternehmen eingestanden, bei Abgas-Tests auf dem Prüfstand mit Softwarehilfe die Ergebnisse für Diesel-Motoren manipuliert zu haben. Dafür musste VW bereits 6,5 Milliarden Euro zurückstellen. Während der laufenden Überprüfungen bei Dieselmotoren ist laut VW aufgefallen, dass bei einigen Modellen zu niedrige CO2- und damit auch Verbrauchsangaben festgelegt wurden.

Betroffen seien überwiegend Fahrzeuge mit Dieselmotoren. Es gehe um Autos der Typen Polo, Golf und Passat, sagte ein VW-Sprecher. Bei Audi seien A1- und A3-Modelle betroffen, bei Skoda der Octavia sowie bei Seat der Leon und der Ibiza. Auch bei einem Benzinmotor mit Zylinderabschaltung habe es Auffälligkeiten gegeben. Bei den Dieselmotoren seien 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Varianten betroffen.

Erst am Montag hatte die US-Umweltbehörde EPA wegen der Stickoxid-Werte schwere Vorwürfe erhoben. Nach neuen Informationen wären erstmals auch Porsche-Fahrzeuge und jüngere Modellreihen betroffen. Dabei gehe es um die Typen VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q5 sowie Audi A6 Quattro, Audi A7 Quattro und den Audi A8 sowie dessen Langversion.

Probleme mit US-Behörde

VW drohen zudem weitere Probleme wegen Fehlern bei Pflichtmeldungen zu Unfällen mit Verletzungen und Todesfällen an die US-Verkehrsaufsicht NHTSA. VW-Chef Matthias Müller versprach erneut eine "schonungslose" Aufklärung: "Dabei machen wir vor nichts und niemandem Halt."
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