Neue Regeln für selbstfahrende Autos?
Nach Unfall Debatte um Fahr-Automatik

Ein Tesla "Model S" an einer Stromtankstelle. Bei einem Unfall eines solchen Wagens, der mit "Autopilot" unterwegs war, war im Mai der Fahrer ums Leben gekommen. Archivbild: dpa
 
Udo di Fabio. Archivbild: dpa

Der tödliche Unfall eines Tesla-Elektroautos mit "Autopilot"-Assistenzsystem hat Folgen für die ganze Branche. Regulierer denken über Änderungen der Regeln für solche Technik nach. Selbstfahrende Autos sollen aber trotzdem kommen.

Berlin/Washington. Nach dem ersten tödlichen Unfall mit einem vom Computer gesteuerten Auto zeichnet sich ein Wandel im Umgang mit Fahrassistenz-Systemen ab. Auch der Weg zu komplett selbstfahrenden Roboterwagen könnte von dem Crash eines Tesla-Elektrofahrzeugs in den USA massiv beeinflusst werden.

Zugleich hält Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an Plänen fest, noch 2016 eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes zu beschließen, um vollautomatisiertes Fahren auf deutschen Straßen zuzulassen. Eine Ethik-Kommission unter Vorsitz des früheren Verfassungsrichters Udo di Fabio solle moralische Fragen bei der Einführung vollautomatisch fahrender Wagen abklären, sagte Dobrindt der "Bild am Sonntag". Bei den Überlegungen der Kommission solle es darum gehen, "was die Algorithmen in den Fahr-Computern berücksichtigen müssen beziehungsweise was die Programmierer dürfen und was nicht". Die Kommission solle in seiner Behörde angesiedelt werden. Dobrindt hob zwei Grundsätze hervor, die gelten müssten: "Sachschaden geht immer vor Personenschaden. Und es darf keine Klassifizierung von Personen geben, etwa nach Größe oder Alter."

Anzeige und Signalton


Die EU-Kommission erklärte am Wochenende, sie berate mit Behörden der Mitgliedsländer sowie Industrie- und Verbraucherorganisationen, wie die Anforderungen an Fahrassistenz-Systeme verbessert werden könnten. Ein Änderungsvorschlag für die internationalen Regeln sieht unter anderem vor, dass dem Fahrer stets angezeigt werden soll, wenn ein Lenk-Assistent in die Steuerung eingreift. Zudem soll es ein dauerhaftes Ton-Signal geben, wenn ein Spur-Assistent über längere Zeit aktiv ist.

Anfang Mai war in den USA ein Mann ums Leben gekommen, als sein gerade von Teslas Fahrassistenz-System "Autopilot" gesteuertes E-Auto unter einen querenden Lastwagen-Anhänger fuhr. Nach Tesla-Angaben hielt die Software die weiße Seitenwand des Anhängers für ein hochhängendes Autobahnschild. Der Konzern betonte stets, "Autopilot" mache die Teslas nicht zu komplett selbstfahrenden Autos. Deswegen fordert der Hersteller die Fahrer auf, den Überblick über die Verkehrslage zu behalten und jederzeit eingreifen zu können. Dennoch belegen unter anderem zahlreiche Videos im Internet, dass viele Fahrer der Technik so weit vertrauten, dass sie ihr die Kontrolle überließen.

Nun nimmt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die "Autopilot"-Funktionen unter die Lupe. Tesla betonte, die Elemente des Systems - Lenken, Spurwechsel, automatisches Einparken, Warnung von seitlichen Kollisionen und die Möglichkeit, ein parkendes Auto vorfahren zu lassen - seien in Europa in den Niederlanden zugelassen worden. Das Unternehmen kooperiere in allen Aspekten, hieß es.

"Beta-Version"


Die deutsche Behörde stört die Bezeichnung "Beta", die Tesla Elementen seines Systems verpasste. So wird in der Tech-Branche noch nicht endgültig fertige Software bezeichnet, die durch Tests besser werden soll. "Wenn mit der Bezeichnung ,Beta-Version' ein unfertiger Stand der Software gemeint ist, würde das KBA eine Funktionalität mit einer derartigen Software nicht genehmigen", sagte ein Sprecher des Amtes.

Unrealistische Angaben zur Reichweite von E-AutosWegen unrealistischer Reichweiten-Angaben bei Elektrofahrzeugen könnte der Branche nach Expertenmeinung ein Imageverlust drohen. Weil der Verbrauch und die Reichweite mit dem gleichen Prüfzyklus wie bei Benzin- und Dieselwagen gemessen würden, wichen die Angaben stark von der Reichweite im Realbetrieb ab, sagte der Chef des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, Willi Diez. "Wenn jetzt mehr E-Autos verkauft werden wegen der Elektroprämie der Bundesregierung, wird die Frustration unter den Verbrauchern über die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis bei der Reichweite wachsen", meinte Diez. Hieraus könnte sich eine Negativdebatte entwickeln, die das Image der E-Autos beschädigen und deren bisher ohnehin nur schleppenden Verkauf abbremsen könnte. Derzeit werden die Reichweiten nach dem alten europäischen Fahrzyklus ermittelt. Dabei werde nicht nur der Stromverbrauch im Fahrbetrieb, sondern auch der Einfluss der Heizung und der Klimaanlage auf die Reichweite unterschätzt. (dpa)
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