Neue Stränge für Gas-Pipeline

Russland will die Ukraine als Transitland für Gas in die EU umgehen - und baut zusammen mit westeuropäischen Partnern nun doch neue Stränge der Nord-Stream-Pipeline. Auch Eon ist dabei.

Der russische Gasmonopolist Gazprom baut mit Partnern aus Westeuropa zwei neue Stränge der Ostsee-Pipeline Nord Stream. An dem Projekt seien auch Eon aus Deutschland, OMV aus Österreich sowie der britisch-niederländische Konzern Shell beteiligt. Dies teilte Gazprom am Donnerstag in St. Petersburg mit. Die Firmen unterzeichneten auf dem dortigen Internationalen Wirtschaftsforum ein entsprechendes Memorandum über den geplanten Bau.

Ukraine umgehen

"Die Realisierung von Nord Stream hat gezeigt, dass der Gastransport durch die Ostsee eine zuverlässige Lösung ist, die zur Deckung des Energiebedarfs beiträgt", hieß es bei Eon. Bisher sind von Nord Stream zwei Leitungen in Betrieb. Die beiden neuen Stränge sollen 55 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich in die EU leiten. "Der Bau der zusätzlichen Transport-Infrastruktur wird zur Erhöhung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Lieferungen nach neuen Verträgen beitragen", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller.

Russland hatte der Ukraine in der Vergangenheit illegales Abzapfen von Gas vorgeworfen. Die beiden Länder streiten zudem über Lieferpreise und Gasschulden. Um unabhängiger von Kiew zu werden, hatte Moskau auch bereits die bestehenden Nord-Stream-Stränge bauen lassen. Von 2020 an soll kein russisches Gas mehr durch die Ukraine nach Westeuropa fließen. Russland plant neben den Nord-Stream-Strängen auch die neue Leitung Turkish Stream durch das Schwarze Meer in die Türkei und bis nach Griechenland.

Auftrag für Siemens

Das Forum in St. Petersburg ist traditionell Schauplatz für den Abschluss von Milliarden-Geschäften. Siemens etwa unterzeichnete am Donnerstag einen Vertrag mit der russischen Staatsbahn RZD über 1,7 Milliarden Euro für die Wartung von Zügen. Trotz politischer Spannungen kamen in diesem Jahr mehr Topmanager aus dem Ausland, auch aus dem Westen. Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, rief in der ARD zum weiteren Dialog auf. "Gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit ist die beste Friedenssicherung", sagte er und kritisierte die geplante Fortsetzung der EU-Sanktionen. Länder wie China, die sich nicht beteiligten, könnten den Westen als Partner verdrängen.
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