Neue Strategie bei Heckler & Koch
„Grüne“ Geschäfte mit Grauzone

Kriegswaffen wie das Maschinengewehr MG4 will die Firma Heckler & Koch künftig nur noch an "Nato-nahe" Kunden verkaufen. Bild: dpa

Pistolen, Sturmgewehre und Granatwerfer - die deutsche Waffenschmiede Heckler & Koch stand kurz vor der Pleite. Jetzt ist sie wieder im Aufwind - mit neuer Firmenstrategie.

Oberndorf/Neckar. Auf der Weltkarte ist es ein Rückzug. Heckler & Koch will künftig kein Neugeschäft mehr mit Staaten außerhalb der Nato-Einflussphäre machen, wie aus Firmenkreisen verlautete: Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien oder Indien fallen so weg. "Wir wollen nur noch solide Länder beliefern, also zweifelsfrei demokratisch, eindeutig nicht korrupt und in der Nato oder Nato-nah", sagt ein anonymer Mitarbeiter. Die Firma spricht hier von "grünen" Ländern. Die Türkei - ein "gelbes" Land - wird ebenfalls von der Liste gestrichen.

Begründet wird der Strategiewechsel damit, dass Exportgenehmigungen in solche Staaten nur schwierig oder gar nicht mehr zu bekommen seien. Zudem wolle man raus aus den negativen Schlagzeilen. "Auch moralische Kritik an solchen Exporten können wir durchaus nachvollziehen", erklärt der Manager. Der Kurswechsel wurde intern hitzig debattiert, denn das Exportpotenzial wird so eingeschränkt.

"Prinzipiell ist es genau das, was wir fordern", sagt etwa Wolf-Christian Paes vom Internationalen Konversionszentrum Bonn. Allerdings verschärfte die Regierung die Ausfuhrrestriktionen. "Heckler & Koch springt auf einen fahrenden Zug auf - das ist legitim, aber kein Gutmenschentum."

Die schwäbische Waffenschmiede mit ihren 850 Mitarbeitern und rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz hat stürmische Zeiten hinter sich. Waffenlieferungen nach Mexiko riefen die Staatsanwaltschaft auf den Plan, sie wirft der Firma Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz vor. 2017 werden Ex-Manager sowie die Firma selbst vor Gericht stehen.

"Heckler & Koch ist nicht der einzige Kleinwaffen-Hersteller, der zwielichtige Geschäfte gemacht hat - aber er ist der einzige, der deswegen vor Gericht steht", sagt Pieter Wezeman vom Friedenforschungsinstitut Sipri.

Die Firma stand lange kurz vor der Pleite. Eine Anleihe über 295 Millionen Euro konnte 2011 nur mit einem Zinssatz von sage und schreibe 9,5 Prozent platziert werden. 2016 übernahm Norbert Scheuch den Chefsessel und setzte die Grüne-Länder-Strategie durch. Die Verschuldung sank zuletzt deutlich auf 230 Millionen Euro. Die Firma erzielte in den ersten drei Quartalen 2016 einen Ertrag von 3,8 Millionen Euro (minus 10,3 Millionen Euro im Vorjahr).

Letztlich wirkt sich auch die erhöhte Terrorgefahr positiv auf die Auftragsbücher aus. Frankreichs Armee bestellte 100 000 Sturmgewehre, Frankreichs Ordnungshüter 2000 Gewehre und Baden-Württembergs Polizei 3000 Maschinenpistolen. Dass H&K auf Geschäfte mit Saudi-Arabien, Oman und Singapur beharrt, sei übrigens kein Widerspruch zur Grüne-Länder-Strategie. Alten Verpflichtungen wolle man nachkommen, heißt es aus der Firma.

KleinwaffenbrancheDas schwäbische Unternehmen Heckler & Koch (H&K) ist aus den Mauser-Werken hervorgegangen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst wurden. Heute zählt die Firma mit Sitz in Oberndorf am Neckar zu den größten Herstellern von Kleinwaffen. Damit sind alle Waffen gemeint, die man tragen kann - Pistolen, Gewehre, Granatwerfer und Panzerfäuste. Kunden von H&K sind unter anderem die Bundeswehr, die Armeen von Großbritannien, Frankreich und Spanien sowie die US-Spezialkräfte Marines. Konkurrenten sind die wallonische Waffenschmiede FN, Beretta aus Italien oder Colt aus den USA. Eher in der zweiten Reihe stehen CSA aus Tschechien, IMI aus Israel und Sig Sauer aus Schleswig-Holstein. (dpa)


Heckler & Koch springt auf einen fahrenden Zug auf - das ist legitim, aber kein Gutmenschentum.Wolf-Christian Paes, Internationales Konversionszentrum Bonn
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