Neuer Manipulations-Skandal in der Autobranche
Auch Mitsubishi hat geschummelt

Wie in Japan üblich, entschuldigte sich Tetsuro Aikawa (rechts), Chef von Mitsubishi Motors, mit einer Verbeugung für die Manipulationen. Bild: dpa

Nach den VW-Manipulationen in Deutschland hat nun auch Japan seinen Skandal. Der Autobauer Mitsubishi Motors schönte die Verbrauchswerte bei Kleinstwagen. Es ist nicht die erste Affäre.

Tokio. Mitten im Abgas-Skandal bei Volkswagen hat der japanische Autobauer Mitsubishi Manipulationen bei Verbrauchswerten eingestanden. Daten, die bei Verbrauchstests wie dem Widerstand der Reifen im rollenden Zustand verwendet werden, seien manipuliert worden, teilte Mitsubishi Motors mit. Dabei geht es um Kleinstwagen, wie Konzernchef Tetsuro Aikawa am Mittwoch in Tokio sagte. Betroffen seien insgesamt 625 000 Autos für den heimischen Markt. 468 000 Autos davon wurden für den japanischen Konkurrenten Nissan Motor gebaut.

Kleinstwagen betroffen


Betroffen sind sogenannte Kei-Car (wörtlich: leichtes Automobil). So werden in Japan Kleinstwagen genannt, deren Motoren einen Hubraum von höchstens 660 Kubikzentimeter haben und die nicht breiter als rund 1,50 Meter sein dürfen. Diese Autos sind in Japan steuervergünstigt. Von Nissan vorgenommene Verbrauchstests seien von den Daten, die Mitsubishi Motors den Behörden vorgelegt habe, abgewichen, räumte Mitsubishi-Chef Aikawa ein. Die Diskrepanz habe wahrscheinlich fünf bis zehn Prozent betragen. Der Verbrauch der Autos wäre also bei ordnungsgemäßem Vorgehen höher gewesen als von Mitsubishi angegeben.

Die Produktion und der Verkauf der betroffenen Autos sei gestoppt worden, hieß es in einer Stellungnahme. Angesichts der Schwere des Vorfalls werde man nun auch Produkte untersuchen, die für ausländische Märkte hergestellt worden seien, teilte Mitsubishi Motors weiter mit. Das sollen Experten, die nicht dem Unternehmen angehören, prüfen. Das Unternehmen habe versichert, dass keine Fahrzeuge in Deutschland betroffen seien, betonte das Bundesverkehrsministerium in Berlin.

Auch wenn sich der Skandal von dem bei Volkswagen unterscheidet, so fürchten Branchenexperten dennoch Auswirkungen auf das Image von Mitsubishi. Die Reputation hatte bereits früher durch eine Serie an Skandalen schweren Schaden erlitten. So hatten Führungskräfte und Arbeiter jahrzehntelang Beschwerden von Kunden über Mängel an ihren Fahrzeugen geheim gehalten. Dabei ging es auch um Räder, die von Achsen abfallen konnten. Zudem soll Mitsubishi früher über lange Zeit Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen haben, ohne dies dem zuständigen Transportministerium wie vorgeschrieben zu melden.

Zu hohe Stickoxid-Werte?


Unterdessen berichteten "Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR, Messungen im Auftrag des Kraftfahrt-Bundesamtes hätten ergeben, dass Hersteller Motoren so konstruiert haben, dass der Schadstoff Stickoxid bei niedrigen Temperaturen ungefiltert in die Luft geblasen wird. Die gesetzlichen Grenzwerte würden von vielen der über 50 getesteten Fahrzeugmodelle überschritten. Dem "Handelsblatt" zufolge reicht die illegale Software für Abgas-Manipulationen an elf Millionen Dieseln im VW-Konzern bis 1999 zurück. Demzufolge hat das Programm seine Ursprünge bei Audi und dortigen Ideen für das Austricksen von Abgas-Tests. Audi und VW wollten sich dazu nicht äußern.
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