Neuer Schock für die Anleger
Börsenbeben in China erfasst Weltmärkte

Es war ein heißer Ritt an den Börsen. Chinas unklare wirtschaftliche Lage versetzt Anleger rund um den Globus in Alarmstimmung. Die Kurse fallen teils deutlich. Doch sind die extremen Reaktionen berechtigt?

Frankfurt. Die Kurseinbrüche an Chinas Börsen greifen auf die weltweiten Finanzmärkte über. In Frankfurt knickte der Dax ein, in Japan der Nikkei, und auch die Wall Street startete deutlich tiefer. "Ich würde sagen, das wächst sich zu einer Krise aus", sagte Soros auf einer Veranstaltung in Sri Lanka. "Wenn ich mir die Finanzmärkte anschaue, dann gibt es dort ernste Probleme. Das erinnert mich an die Krise, die wir 2008 hatten." Hintergrund der Turbulenzen sind die Sorgen vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft - mit entsprechenden negativen Konsequenzen für deutsche Unternehmen.

"Sichere Häfen" gefragt


Die China-Problematik belastete in Deutschland vor allem die Autowerte. Als weltweit größter Automarkt ist China für die deutschen Hersteller enorm wichtig. Auch die Kurse der Zulieferer rutschen ab. Vor diesem Hintergrund waren die als "sichere Häfen" geltenden Anlageformen gefragt: Der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) kletterte auf 1103 US-Dollar. Seit dem Jahreswechsel ist der Goldpreis damit um etwa 42 Dollar gestiegen. Auch Staatsanleihen von als solide angesehenen Ländern wie Deutschland wurden zwischenzeitlich von Anlegern angesteuert.

Die Preise für Rohöl fielen mit rund 32 Dollar auf den tiefsten Stand seit fast zwölf Jahren. Auch andere Rohstoffe wie Industriemetalle oder Agrarprodukte gerieten unter Druck, denn China ist einer der größten Abnehmer. Währungen von Ländern, die stark in der Rohstoffproduktion engagiert und wirtschaftlich mit China verflochten sind, gaben nach. Das galt besonders für den Australischen sowie den Kanadischen Dollar.

Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des deutschen Groß- und Außenhandels, sieht aber keinen Grund zur Panik: Mögliche Absatzeinbußen in China könnte die deutsche Wirtschaft in den USA oder in Europa ausgleichen. Beide Regionen entwickelten sich bis zuletzt positiv. So ist die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone im November auf 10,5 Prozent, den niedrigsten Stand seit 2011, gefallen, und die Stimmung in der Wirtschaft ist so gut wie seit vier Jahren nicht mehr.

Weitere Abwertung


Konkreter Auslöser des erneuten Börsendramas in China war eine neuerliche Abwertung der Landeswährung Yuan durch die chinesische Notenbank. Der Schritt könnte auf eine noch größere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten als aus offiziellen Statistiken hervorgehe, sagte Marktanalyst Angus Nicholson vom Broker IG. Eine schwächere Währung erleichtert den Export.

Ich würde sagen, das wächst sich zu einer Krise aus.George Soros, amerikanischer Investor

Der Börsenhandel in China selbst wurde bereits nach kurzer Zeit wegen zu hoher Verluste zunächst ausgesetzt und dann für den Tag ganz beendet. Damit griff bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ein neuer Mechanismus, nach dem der Handel bei Verlusten von mehr als 7 Prozent beendet wird. Die chinesische Börsenaufsicht will diese automatische Aussetzung aber zunächst abschalten, wie die Behörde mitteilte. Der Mechanismus habe nicht den gewünschten Effekt gehabt und solle weiterentwickelt werden, hieß es in der Mitteilung. Zudem wurde betont, dies sei nicht der Hauptgrund für den Kurssturz gewesen.
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