Neues Gesetz soll Elektromobilität fördern
Wirbel um Chinas E-Auto-Pläne

Das neue Gesetz soll den Sprung zur E-Mobilität in China stark beschleunigen. Experten auf chinesischer und deutscher Seite bezweifeln aber, dass die Pläne angesichts des noch nicht bereiten Marktes und verschiedener fehlender Voraussetzungen so schnell umsetzbar sind. Bild: dpa

Ein umstrittenes Quotensystem, unfreiwilliger Technologietransfer - es gibt viel zu mosern über Chinas ambitionierte E-Auto-Pläne. Wie sie umgesetzt werden, scheint noch offen. Aber die deutschen Autobauer starten nicht gerade von der Pole-Position.

Peking. Mit ehrgeizigen Plänen zur Förderung der Elektroautos mischt China die deutschen Autobauer kräftig auf. Peking will den größten Automarkt der Welt mit einem "großen Sprung nach vorn" in eine Zukunft der Elektromobilität katapultieren. Aber vieles ist noch unklar. Fest steht nur, dass die meisten deutschen Autobauer die geplanten Auflagen wohl nicht erfüllen können.

VW geht es zu schnell


"Es ist ja nicht so, als wenn wir geschlafen hätten, sondern wir müssen ja auch die lokalen Produktionsbedingungen erfüllen", verlautete aus VW-Kreisen. Auch müssten die Zulieferer bereit oder die Entsorgung der Batterien geklärt sein. Nach dem Entwurf für die umstrittene Quotenregelung sollen aber schon 2018 acht Prozent der neu gebauten Autos eines Herstellers einen elektrischen Antrieb haben, 2019 dann zehn Prozent und 2020 sogar zwölf Prozent.

Der Volkswagen-Konzern verkauft heute in China noch kein einziges lokal produziertes Auto mit Elektroantrieb. Als erste begann die Tochter Audi jetzt mit der Produktion eines A6 e-tron, einem Plugin-Hybrid, der sowohl mit Benzin als auch Strom fährt. In drei bis vier Jahren will Europas größter Autobauer aber in China 15 lokal produzierte Modelle mit alternativen Antrieben anbieten. "Wir setzen auf nachhaltige Mobilität und wollen auch bei Elektromobilität führend sein", sagt Sprecher Christoph Ludewig. "Dazu ist ein vorhersehbarer, verlässlicher und mit der nötigen Vorlaufzeit eingeführter Gesetzesrahmen notwendig." Die Kurzfristigkeit stößt allen auf. "Das ist schon krass", sagt ein Experte.

Die Pläne sehen ein kompliziertes Punktesystem, je nach Antriebsart oder Reichweite, vor. Schmerzhaft wird es, wenn die Quote nicht erfüllt wird. Dann muss der Hersteller die Produktion herkömmlicher Autos sogar drosseln oder Kreditpunkte von anderen kaufen. So kann es kommen, dass deutsche Autobauer ihre chinesische Konkurrenz fördern müssen. Sorge gibt es auch über unfreiwilligen Technologietransfer. Heute müssen Autobauer schon eine von drei Kernkompetenzen an den Joint Venture-Partner übertragen, ohne den ohnehin keiner in China produzieren kann. Um lokal produzieren zu dürfen, sollen es künftig alle drei sein.

Nach seinen Gesprächen in Peking mit Industrieminister Miao Wei hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) aber das Gefühl, dass der Entwurf nicht so scharf zu einem Gesetz umgewandelt wird. "Wir wissen, dass bei solchen Prozessen, die noch nicht im Gesetzbuch stehen, noch viel Einflussmöglichkeiten bestehen", sagte Gabriel. Bei allem Elan fehlt es in China auch noch an vielen Voraussetzungen wie Lademöglichkeiten. 2020 fallen zudem die Subventionen weg, die in einigen Städten bis zu umgerechnet 15 000 Euro ausmachen. "Nicht nur ausländische, sondern auch chinesische Hersteller sind noch nicht bereit, weil der Markt noch nicht reif ist", sagt Jia Xinguang, Chefanalyst einer Beratungsfirma. Die technischen Hürden könnten erst in zehn Jahren überwunden werden: "Ein Elektrofahrzeug ist nur wettbewerbsfähig, wenn sich die Batteriereichweite verdoppelt und der Preis halbiert."

Russland und China wollen Handel ausbauenRussland und China wollen ihren schrumpfenden bilateralen Handel schnell wieder wachsen lassen. Das kündigten die Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew und Li Keqiang am Montag in St. Petersburg an. "China und Russland haben unterschiedliche Stärken bei Rohstoffen, Märkten, Kapital und Technologien", sagte Li Keqiang. "Wir ergänzen einander wirtschaftlich gut, unsere Zusammenarbeit hat großes Potenzial." Von Ende 2013 bis Ende 2015 sank der Handel um gut ein Drittel auf 55,3 Milliarden Euro. Russland steckt wegen des niedrigen Ölpreises sowie westlicher Sanktionen in einer schweren Wirtschaftskrise. Medwedew hoffe nun, dass sich der Handel bis 2020 auf 180 Milliarden Euro fast vervierfachen werde. (dpa)
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