Nicht angemeldet
Grüne Woche ohne Russland

Rund eine Milliarde Euro hat unsere Landwirte allein das Russland-Embargo gekostet.

Die weltgrößte Agrarmesse startet ohne das Land, das über Jahre als Exportmarkt immer wichtiger geworden war. Die Bauern ächzen unter den Handelsbeschränkungen und fordern ein Umdenken.

Berlin. Die Grüne Woche in Berlin beginnt am Freitag kommender Woche voraussichtlich ohne eine offizielle Beteiligung Russlands. "Wir gehen davon aus, dass sie nicht kommen", sagte ein Sprecher der weltgrößten Agrarmesse der dpa. Russland hatte im vergangenen Jahr noch die größte ausländische Beteiligung auf der Grünen Woche. Gründe für das Fernbleiben seien nicht bekannt, sagte der Sprecher weiter: "Sie haben sich schlicht und einfach nicht angemeldet."

Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte ein Ende der Handelsbeschränkungen mit Russland. "Die Landwirte dürfen nicht länger mit ihrem Einkommen die Lasten dieses politisch veranlassten Embargos tragen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die EU und Russland hatten im Zuge der Ukraine-Krise gegenseitige Handelsschranken aufgebaut, Moskau verhängte einen Einfuhrstopp für Agrarprodukte.

Einkommen gesunken


"Rund eine Milliarde Euro hat unsere Landwirte allein das Russland-Embargo gekostet", sagte Rukwied. "Die Preise für Milch, Schweinefleisch und Obst sind für die Landwirte im vergangenen Jahr stark gesunken." Die deutschen Bauern hätten im Durchschnitt mehr als ein Drittel Ihres Einkommens verloren.

Viele Landwirte ärgert es, dass trotz niedriger Rohstoffkosten in den Supermarktregalen manches sogar teurer wird. "Der Abstand zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen hat sich bei vielen Produkten deutlich vergrößert", moniert Rukwied. Da seien in der Vermarktung wohl Margen ausgeweitet worden - bei den Bauern komme aber weniger an. Der Handel kontert, das Verhältnis dieser Preise zueinander sage per se noch gar nichts über Gewinne oder Verluste aus. Ohnehin verweisen die Weiterverarbeiter regelmäßig darauf, dass sie nicht nur Kosten für Rohstoffe haben, sondern etwa auch für Energie und Personal.

Moderate Preissteigerung


Eine Inflationsbremse sind Nahrungsmittel seit längerem nicht mehr. Der Preisauftrieb schwächte sich im Dezember zwar wieder etwas ab. Lebensmittel waren laut Statistischem Bundesamt 1,4 Prozent teurer als 2014 - bei einer allgemeinen Teuerungsrate von 0,3 Prozent. Auch 2016 müssen die Kunden nach Branchen-Einschätzung wohl mit moderat steigenden Preisen rechnen. "Lebensmittel bleiben in Deutschland auf jeden Fall bezahlbar", betont aber Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie.

Die Veranstalter der Grünen Woche erwarten auch ohne Russland einen Erfolg der Messe. Rund 1600 Aussteller aus mehr als 60 Ländern haben sich angemeldet. Mehr als 400 000 Besucher werden erwartet. Kritiker von Massentierhaltung und "Agrarindustrie" haben auch in diesem Jahr eine Großdemonstration angekündigt. Messe-Partnerland ist in diesem Jahr Marokko.
Rund eine Milliarde Euro hat unsere Landwirte allein das Russland-Embargo gekostet.Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbands
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