"Nicht die letzte Banken-Fusion"

Bis Ende des Jahrzehnts könnten sich die Geschäftsstellen der Volks- und Raiffeisenbanken in der Oberpfalz von 281 auf etwa 200 verringern. Diese im März 2015 gestellte Prognose von Maximilian Zepf, Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbands, sorgt bis heute für Diskussionen.

Weiden/Amberg. (cf/fku/kan) Ist die geplante Verschmelzung der Volksbank Nordoberpfalz mit der VR-Bank Amberg der Auftakt für weitere Fusionen? Zepf ging damals - beim Jahrespressegespräch - von "vermehrten Fusionen" bei den selbstständigen 31 Volks- und Raiffeisenbanken in der Oberpfalz aus. Zudem seien vor allem "Ein- bis Zwei-Mann-Geschäftsstellen" von der Schließung bedroht.

Maximilian Zepf sah sich am Dienstag bestätigt: "Es wird nicht die letzte Fusion gewesen sein." Der angestrebte Zusammenschluss der Amberger und Weidener Kollegen habe ihn "eigentlich nicht überrascht". Der Bezirkspräsident verwies auf die "immer dünneren Margen, die entsprechende Weichenstellungen fordern, jede Einsparungsmöglichkeit zu nutzen". Genossenschafts-Regionaldirektor Franz Penker erfuhr aus NT/AZ von der Fusion: "Es entscheidet jede Bank für sich selber."

Gerade in der Weltfinanzkrise erwiesen sich die als provinziell belächelten Volks- und Raiffeisenbanken - ebenso wie die Sparkassen - als echter Stabilitätsanker. Nun stehen sie unter massivem Kostendruck. Wie keine anderen Banken sind sie in der Fläche mit einem dichten, personalintensiven Filialnetz vertreten. Die Niedrigstzinsen lassen die Erträge schwinden, denn die sogenannte Zinsspanne (Differenz zwischen Einlagen und Ausleihungen) schrumpft. Dazu kommen der starke Trend zum Online-Banking und die Regelwerke durch den Gesetzgeber. Diese Auflagen ziehen einen immer größeren (Personal-)Aufwand nach sich, der gerade für kleinere Banken kaum noch zu bewältigen ist. "2015 plant die EU 177 neue Rechtsakte zur Banken-Regulierung", berichtet Maximilian Zepf. Für Darlehen über 50 000 Euro schreibe das Meldewesen 80 "Kreditmerkmale" vor.

Die Reaktionen auf eine Fusion Amberg-Weiden fielen unterm Strich positiv aus.Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny : "Es ist richtig, hier strategische Allianzen in der Region zu bilden, um auch als regionale Bank im Wettbewerb gegen die großen Geschäftsbanken bestehen zu können." Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amberg-Sulzbach, Dieter Meier , meinte mit Blick auf die zunehmende Regulierung: "Man erreicht mit der Verschmelzung wohl eine vernünftige Größe, um das leichter leisten zu können." Die unterschiedlichen Regionen und Bedürfnisse von Mitterteich bis Utzenhofen in ein regional verwurzeltes Institut einzubringen, werde sicherlich eine interessante Aufgabe.

"Für mich war das neu", erklärte Hermann Ott , Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Weiden. Zu einem regionalen Zusammenschluss mit der Raiffeisenbank hätten "keine Gespräche" stattgefunden. Einsparungen und Synergien hätten sich aus seiner Sicht noch mehr durch so eine regionale Lösung ergeben. Eine Weidener Fusion von Volks- und Raiffeisenbank "wäre zumindest im Sinne der Mitglieder in der Region eine berechtigte Überlegung gewesen".

"Nicht kommen sehen" hat auch der Weidener OB Kurt Seggewiß die Fusion. Offen dafür zeigt er sich aber. Denn ein so großes Geldhaus habe ja "auch größere Handlungsspielräume, für die regionale Wirtschaft ist das ein gutes Zeichen". Auch dass der Dienstsitz Weiden werden soll, sei "äußerst positiv".
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