Niedriger Ölpreis bringt Russland ungewisse Folgen

Wenn der Ölpreis fällt, haben Verbraucher mehr Geld für den Konsum und Unternehmen mehr Spielraum für Investitionen. Warum das dennoch kein Grund zu Euphorie ist, erklären Fachleute.

Der sinkende Ölpreis wird zum Konjunkturgeschenk für die deutsche Wirtschaft. Der Chef des Sachverständigenrats, Christoph Schmidt, sagte der "Welt am Sonntag": "Die deutsche Wirtschaft wächst nun allein wegen des deutlich gesunkenen Ölpreises um bis zu 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte stärker." Bundesbankpräsident Jens Weidmann hob in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hervor: "Die Verbraucher und Unternehmen müssen dafür weniger ausgeben und können mehr konsumieren und investieren". Doch die Ökonomen warnen auch vor Jubelstimmung.

Kehrseite der Medaille

Weidmann betonte zugleich: "Wir müssen aufpassen, dass die Menschen im Euro-Raum nicht auch künftig solch eine niedrige Inflation oder gar fallende Preise erwarten." Warum das zum Problem werden kann, hatte vergangene Woche schon der Vize-Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Vítor Constâncio, erklärt: Sollte Rohöl länger so billig bleiben, drohe "ein gefährlicher Teufelskreis aus sinkenden Preisen, steigenden realen Lohnkosten, sinkenden Gewinnen, schrumpfender Nachfrage und weiter sinkenden Preisen".

Die Ölpreise sind binnen sechs Monaten rasant gesunken. Auch die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel sind deutlich zurückgegangen. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, weist unter anderem auch auf die negativen Folgen des Ölpreisverfalls hin. Natürlich gebe es Verlierer bei dieser Entwicklung, "und der größte Verlierer unter den Öl exportierenden Ländern ist Russland".

Schuldendienst

Wie dramatisch die Folgen für das Land sein werden, hängt aus Sicht Snowers wesentlich davon ab, wie die Finanzmärkte reagieren und wie viel Kapital aus dem Land abfließt. Bei einem entsprechenden Ausmaß der Krise könnte es dazu kommen, dass Russland seine Schulden nicht mehr bedienen könne. "Die Frage wird dann sein, wie es damit politisch umgeht", sagte Snower. Heftige Reaktionen könnten große ökonomische Auswirkungen haben. Dieselbe Überlegung gelte für den Iran.

Russland sei nicht in der Lage, wichtige Produkte zu erzeugen, die es infolge der Sanktionen nicht mehr aus dem Ausland bekommt. "Das Land hat sich in der Zeit unter Putin nicht erfolgreich umgestellt, weg von der Rohstoffabhängigkeit", sagte Snower. Dem Westen schadeten die Sanktionen hauptsächlich wegen der damit verbundenen Unsicherheiten.

Die deutsche Wirtschaft geht insgesamt mit leicht positiver Stimmung ins neue Jahr. Das ergab die Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Bei weitgehend stabiler Beschäftigung erwarten die Verbände im Schnitt einen leichten Zuwachs von Produktion und Umsatz. Der Maschinenbau, wichtig für die deutsche Exportwirtschaft, leidet zwar unter der Investitionsschwäche in der Bundesrepublik und der Russland-Ukraine-Krise. Dennoch erwartet der Verband ein Produktionsplus.

Die bayerische Wirtschaft stellt sich hingegen auf ein schwieriges Jahr 2015 ein. "Die Unsicherheiten über die konjunkturelle Entwicklung waren noch nie so groß", sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. Insbesondere die geopolitischen Krisen machten vielen Unternehmen zu schaffen. Trotzdem rechnet Brossardt für das Gesamtjahr mit 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum in Bayern. (Angemerkt)
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