"Niemand widerspricht einem höher gestellten Kollegen" - Vortrag von Gerhard Bauer an der OTH
In Fernost hat der Chef immer recht

Weiden. (sbü) Will ein deutscher Unternehmer in Fernost Aufträge erhalten, muss er sich dort sicher bewegen. Gerhard Bauer, Geschäftsführer der Firma BBH Products GmbH, ist seit vielen Jahren auf den ostasiatischen Märkten unterwegs. Lang ist die Liste der Anlagen, Gebäudekomplexe und Einrichtungen, für die das Weidener Unternehmen die sicherheitstechnischen Steuerungen lieferte. "Wir sind Marktführer in der sicheren Antriebstechnik", sagt Bauer.

In einem Vortrag an der OTH in Weiden berichtete er über seine Erfahrungen in Asien. Besonders wichtig ist für Bauer die Erkenntnis, dass "diese Länder sehr hierarchische Gesellschaften sind. Niemand widerspricht einem höher gestellten Kollegen". "Top-Down-Strukturen" nennt er diese Verhältnisse. "Verträge werden dann abgeschlossen, wenn der Chef hingeht." Die Arbeitswelt beeinflusse die Produktion. Während in Deutschland die durchschnittliche Jahresarbeitszeit eines Arbeitnehmers 1682 Stunden betrage, liege Südkorea bei 2163 Stunden.

Stolz auf gute Kopien

Urlaub sei verpönt, maximal fünf Tage dürften trotz des "offiziellen Urlaubsanspruchs von 25 bis 30 Tagen" genommen werden. Auch die Freizeit verbringen Arbeitnehmer im Kollegenkreis. Asiaten würden auch anders lernen. Nicht das Verstehen stehe im Vordergrund, sondern "Wissen auf Abruf". Das Kopieren von Produkten sei nicht negativ besetzt, "auf gute Kopien ist man stolz", berichtet Bauer. Generell zähle Konformismus, Individualität sei negativ und Kreative würden gemobbt.

Diese Art der Arbeitswelt ist für Bauer Hintergrund für die Produktion großer Serien mit kurzen Projektzyklen bei Arbeitskosten von rund einem Zehntel gegenüber Deutschland. "Eine Ingenieurstunde wird hier zwischen 680 und 1000 Euro kalkuliert, in Korea mit nur 56 Euro." Aus dieser Situation zieht Bauer für deutsche Exporteure wichtige Folgerungen: "So liefern wir nur noch die Steuerungen, den Stahlbau erledigen lokale Partner." Komplette Produkte würden nur noch "im letzten Drittel ihres Lebenszyklus" geliefert. Keinesfalls solle das firmenspezifische Knowhow offengelegt werden, empfiehlt der Unternehmer. "Wir leben davon, Kreativität in unsere Produkte einzubringen." Während die Asiaten nur an hohen Stückzahlen interessiert seien, "können wir das individuell angepasste Produkt und den Produktservice liefern".

Andere Rolle der Frau

Bestätigt wurde Bauer von seiner Maschinenbau-Ingenieurin Byunggeun Choi. Sie stammt aus Südkorea und erzählte von ihrem "Kulturschock", als sie nach Deutschland kam. Koreanische Frauen hätten in der asiatischen Männergesellschaft eine ganz andere Rolle. "Sie müssen sehr weiblich sein." Gewöhnen musste sie sich daran, "dass man in Deutschland alles viel direkter sagt".
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