Nike hängt Adidas ab

Das Duell der Sportmarken - hier stellvertretend die Sneakers "Adidas x Raf Simons" (links) und "Nike Flyknit" - könnte sich in den kommenden fünf Jahren entscheiden. Der fränkische Hersteller Adidas wird sich zumindest laut der geäußerten Umsatzerwartungen schwer tun, Branchenführer Nike zu attackieren. Bild: dpa

Es war der Traum von Adidas-Chef Herbert Hainer - einmal so groß zu werden wie Nike. Doch zuletzt wurde der Abstand zu dem US-Konkurrenten eher größer. Geht es nach Nike-Chef Mark Parker, wird der Weltmarktführer den Franken in den kommenden Jahren davonsprinten.

Der US-Sportartikelriese Nike will die Konkurrenz weiter auf Abstand halten. Der Konzern habe sich das Ziel gesteckt, die Erlöse bis Ende des Geschäftsjahres 2020 (31. Mai) um fast zwei Drittel auf 50 Milliarden Dollar (44 Milliarden Euro) zu steigern, kündigte Parker am Mittwoch bei einem Investorentag am Firmensitz in Beaverton, Oregon, an. Um dieses Ziel zu erreichen soll der Umsatz pro Jahr im Schnitt um rund zehn Prozent zulegen. 2014/15 erlöste Nike knapp 31 Milliarden Dollar.

Umsatz: Große Kluft

Mit den mittelfristigen Zielen zementiert der Konzern seinen Führungsanspruch. Die weltweite Nummer zwei, Adidas, hatte ebenfalls einen Fünfjahresplan vorgestellt, wonach der Umsatz laut Vorstandschef Hainer währungsbereinigt im hohen einstelligen Bereich zulegen soll. Zu aktuellen Wechselkursen entspräche dies einem Umsatz von mehr als 22 Milliarden Euro 2020 (2014: 14,5 Milliarden). Halb so viel wie bei Nike.

Dafür wollen die Franken ihre Aktionäre stärker am Gewinn beteiligen. 30 bis 50 Prozent plant Adidas in den kommenden fünf Jahren als Dividende auszuschütten - Nike nur 25 bis 35 Prozent. Schwierig bleibt für Adidas der US-Markt. Denn dort sehen sich die Franken seit einiger Zeit einem zweiten Konkurrenten gegenüber: Weltweit sind die Umsätze von Under Armour zwar noch überschaubar, aber in den USA hat sich der Fitness- und Running-Spezialist bereits auf Platz zwei hinter Nike geschoben. Mit Partnern wie dem Fußball-Bundesligisten Hannover 96, versucht die Firma auch in Deutschland stärker Fuß zu fassen.

"Wir sehen gewaltiges Wachstumspotenzial. [...] Wenn wir unser gesamtes Geschäftsfeld überblicken, hat es nie mehr Gelegenheiten gegeben", sagte Parker. Er setzt vor allem auf Schwellenmärkte, wo er mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten rechnet. Der Gewinn je Aktie soll in den kommenden fünf Jahren um etwa 15 Prozent zulegen. Dazu sollen Preiserhöhungen, sinkende Personalkosten und eine effizientere Produktion beitragen. Große Hoffnungen knüpft Nike an Sportartikel für Frauen, die ihren Umsatz bis 2020 auf 11 Milliarden Dollar verdoppeln sollen. Auch am Athleisure-Boom - Sportfunktionskleidung für den Alltag - will Nike verdienen.

Chefs ziehen sich zurück

Bei beiden Kontrahenten bahnen sich derweil Wechsel an den Unternehmensspitzen an. Nike-Gründer und Verwaltungsrats-Chef Phil Knight will sich im kommenden Jahr zurückziehen. Nach einem Nachfolger für Herbert Hainer (ab Frühjahr 2017) wird ebenfalls bereits gesucht.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.