Noch immer kämpfen Elektroautos mit Hindernissen
Reif für den Massenmarkt?

Eine Million Elektroautos will die Bundesregierung auf die Straße bringen. Doch dieses Ziel liegt noch in weiter Ferne. Sowohl in der Autoindustrie als auch bei den Kunden bleiben Vorbehalte. Archivbild: dpa
"Die Autos werden nicht gekauft!" Porsche-Chef Matthias Müller gehört zu den heftigsten Skeptikern, wenn es um Elektro-Autos geht. Die Reichweite sei zu gering, maulte Müller vergangene Woche bei der Bilanz-Vorlage des Sportwagenbauers. Zudem sei die Ladezeit viel zu lang, die Infrastruktur nicht vorhanden: "Die Zeit ist noch nicht reif, dass sich diese Antriebstechnologie durchsetzt."

Daimlers Entwicklungsvorstand Thomas Weber sagte bei einem Kongress des Autoverbands VDA: "Es muss an der Kostenfront massiv viel passieren." Die Autohersteller brauchen elektrisch betriebene Autos dringend, um die CO2-Vorgaben der EU zu erreichen. Die wichtigsten Punkte in der Debatte um E-Autos:

Der Preis: Noch sind die reinen E-Autos teurer als ihre Benzin-Pendants. Ein Beispiel: Der E-Golf von Volkswagen ist ab 35 000 Euro zu haben. Ein Golf mit vergleichbarer Ausstattung kostet nur 24 150 Euro. Doch das könnte sich ändern. Laut Berechnungen des Ingenieurbüros P3 sind Elektrofahrzeuge ab dem Jahr 2018 beim Preis wettbewerbsfähig, wenn nicht sogar im Vorteil. Dabei werden neue Batterien zu Grunde gelegt, die einen höheren Nickelanteil vorweisen. Bosch-Chef Volkmar Denner rechnet damit, dass bis 2025 der Preis für Batterien auf 25 Prozent der Kosten sinkt.

Die Reichweite: Die Batterietechnologie, die für den Preis verantwortlich ist, ist auch der Grund für einen weiteren Knackpunkt: Für den E-Golf gibt Volkswagen eine Reichweite zwischen 130 und 190 Kilometern an. Für eine Fahrt in den Urlaub dürfte das kaum reichen, zumal die Zahl der Ladepunkte in Deutschland im Vergleich zu den herkömmlichen Tankstellen noch klein ist. Auch das dürfte sich aber mit der Weiterentwicklung der Batterietechnologie ändern. Bosch-Chef Denner rechnet langfristig mit einer Reichweite von 300 bis 350 Kilometern.

Die Infrastruktur: Vor allem auf dem Land kann die geringe Reichweite zum Problem werden. Deutschland liegt laut der Nationalen Plattform Elektromobilität mit 4800 Ladepunkten an 2400 Standorten im internationalen Mittelfeld. Nach dem Willen der EU Kommission sollen bis 2020 in Deutschland 150 000 öffentlich zugängliche Ladestationen entstehen. Zum Vergleich: Laut ADAC lag die Zahl der herkömmlichen Tankstellen 2013 bei 14 328.

Die Förderung: Smart-Chefin Annette Winkler spricht sich schon lange offen für eine Förderung von E-Autos aus. Das müssen nicht unbedingt finanzielle Anreize sein: Der Bundestag erlaubte jüngst Städten und Gemeinden, kostenlose Parkplätze für E-Autos zu reservieren und ihnen die Nutzung von Busspuren zu erlauben. Ob das ausreicht, zweifelt unter anderem VDA-Präsident Matthias Wissmann an. Er fordert finanzielle Impulse - wie zum Beispiel Sonderabschreibungsregeln für Firmenwagen. In anderen Ländern wie den USA, China oder Frankreich bekommen Käufer Geld vom Staat beim Kauf eines E-Autos. Bosch-Chef Denner fordert zusätzlich die Anerkennung von elektrischen Antrieben als Öko-Innovationen. Diese können sich die Hersteller auf die CO2-Werte der Flottenverbrauchswerte anrechnen lassen.

Das Angebot: Dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) zufolge rollten Ende 2014 knapp 19 000 reine E-Autos auf deutschen Straßen. Die Zahl der sogenannten Plug-In-Hybride, die die Bundesregierung zu den E-Autos zählt und die sowohl an der klassischen Tankstelle als auch an der Steckdose betankt werden, lag bei 108 000. Insgesamt waren 44,4 Millionen Pkw in Deutschland unterwegs. Das Ziel der Bundesregierung von einer Million elektrisch betriebenen E-Autos bis 2020 liegt damit noch in weiter Ferne. An der Auswahl kann es nicht liegen: Im vergangenen Jahr kamen laut Verband der Automobilindustrie (VDA) 17 neue Serienmodelle mit Elektroantrieb auf den Markt. In diesem Jahr sollen noch einmal 12 hinzukommen.
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