Nukleares Nachbarland

Im neuen staatlichen Energiekonzept Tschechiens wird eine Stärkung der Kernkraft empfohlen - und damit auch ein Ausbau des umstrittenen grenznahen Atomkraftwerks Temelin. Archivbild: dpa

Tschechien hält an der Atomenergie fest - mindestens für die nächsten 35 Jahre. Das sieht die nun beschlossene neue Energiestrategie vor. Umweltschützer sind besorgt.

Tschechien setzt künftig stärker auf die Kernkraft. Das sieht das neue staatliche Energiekonzept bis zum Jahr 2040 vor, das am Montag vom Mitte-Links-Kabinett in Prag verabschiedet wurde. Die Entscheidung bedeute einen weiteren Schritt weg von fossilen Energieträgern, sagte Ministerpräsident Bohuslav Sobotka der Agentur CTK. An zweiter Stelle auf der Prioritätenliste folgen erneuerbare Energiequellen wie Windkraft und Bioenergie.

Das Konzept sieht vor, den Anteil der Atomkraftwerke an der Energieversorgung des industriegeprägten Landes auf mehr als 50 Prozent zu steigern. Die Kernkraft soll die heimische Kohle langfristig als wichtigsten Energieträger ablösen. Dafür wird ein Ausbau der Atomkraftwerke Dukovany und Temelin empfohlen. Das AKW Temelin, das 60 Kilometer von Bayern entfernt liegt, gilt bei Umweltschützern nach früheren Störfällen als Problemfall.

Nach Medienberichten aus Prag könnte bereits 2016 ein neuer Anlauf für den Bau weiterer Atomreaktoren starten. Eine erste Ausschreibung hatte der teilstaatliche AKW-Betreiber CEZ vorzeitig abgebrochen. "Große Bevölkerungsgruppen in Tschechien, Deutschland und weiteren angrenzenden Ländern wären von den Folgen eines Atomunfalls betroffen", warnte Sylvia Kotting-Uhl, die atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion in Berlin. Die Bundesregierung sei gefragt, mit Prag in eine Diskussion über Alternativen zu dieser "hochgefährlichen Technologie" zu treten. Tschechische Umweltschützer halten die neue Energiestrategie für verfehlt. "Verbraucher und Steuerzahler werden vor die undankbare Aufgabe gestellt, die nuklearen Träume der Regierung zu bezahlen", sagte Edvard Sequens von der Umweltbewegung Calla. Der Rest Europas gehe längst andere Wege und fördere Energieeinsparungen.
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