Nun kommt der passat an die Reihe
VW-Kunden erwarten große Rückruf-Welle

 
Beim Thema Abgas hat der Autobauer Daimler mit seiner Marke Mercedes-Benz wiederholt erklärt, eine weiße Weste zu haben. Nun liegt eine Sammelklage aus den USA auf dem Tisch. Auch deutsche Umweltschützer melden sich erneut zu Wort. Bild: dpa

Für die bundesweit rund 2200 VW-Vertragshändler wird es bald ernst: Sie müssen mit dem Passat eine erste Nagelprobe im Abgas-Rückruf bestehen. Spannend wird es außerdem vor einem Bochumer Gericht.

Wolfsburg. Rund ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals steht VW vor entscheidenden Weichenstellungen. Noch in dieser Woche soll der Startschuss für die erste große Rückruf-Welle fallen, bei der mit dem Passat erstmals ein in großer Stückzahl verkauftes Modell in die Werkstätten muss. Bisher war nur der VW Amarok nachgebessert worden. VW zufolge gibt es bundesweit 2173 Volkswagen-Partner, deren Werkstätten für den Rückruf autorisiert sind. Rein rechnerisch kommen 1150 Fahrzeuge auf jede Werkstatt.

In einem ersten Schreiben an alle rund 2,5 Millionen betroffenen Halter in Deutschland hatte VW vor kurzem einen groben Ablauf genannt. Für die Wagen mit dem 1,2-Liter-Motor soll die Aktion ab dem 30. Mai (Kalenderwoche 22) starten. Die Motoren mit 1,6 Litern Hubraum sind ab dem 5. September (Kalenderwoche 36) an der Reihe. Die Kalenderwoche 9 markiert - vom Amarok abgesehen - den Anfang der 2,0-Liter-Antriebe, zunächst mit Varianten des Passat.

Termin für Golf noch offen


Wann mit dem Golf das meistverkaufte VW-Modell dran ist, steht noch nicht fest. Jeder Halter bekommt noch einen zweiten Brief, der zum konkreten Termin in der Werkstatt aufruft. Wann genau welche Typen folgen, hängt von den Kombinationen aus Motor, Baujahr und Getriebe ab. Das Kraftfahrt-Bundesamt gibt die Termine schrittweise frei.

Am Mittwoch beschäftigt sich erstmals ein deutsches Gericht mit den Manipulationen an Diesel-Fahrzeugen aus dem Konzern. Ein VW-Käufer aus dem Ruhrgebiet will sein Auto zurückgeben. Der Universitätsprofessor klagt am Landgericht Bochum gegen ein VW-Autohaus auf Rückabwicklung seines Kaufvertrages. "Mein Mandant will seinen Tiguan mit der Schummelsoftware zurückgeben", sagte Anwalt Dietrich Messler am Montag in Hannover. Der Wagen sei rund ein Dreivierteljahr alt und habe eine Laufleistung von knapp 20 000 Kilometern. Eine technische Nachbesserung des Fahrzeugs lehne sein Mandant ab. "Er ist aber vergleichsbereit und würde auch einen neuen Wagen kaufen." Dafür müsse der Händler ihm jedoch abzüglich des Wertverlusts infolge der Fahrleistung den Kaufpreis zurückerstatten.

Vorwürfe gegen Daimler


Auch der Autobauer Daimler kommt wegen Abgaswerten von Dieselmotoren unter Druck. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kündigte am Montag an, den Konzern wegen Verbrauchertäuschung vor dem Stuttgarter Landgericht zu verklagen. Werbeversprechen für angeblich saubere Dieselmotoren seien irreführend, hieß es. Die Klage werde noch eingereicht. Ob sie vom Gericht überhaupt zugelassen wird, steht bisher nicht fest. Eine Daimler-Sprecherin entgegnete, die Klage entbehre jeder Grundlage.

In den USA meldete sich unterdessen die Umweltbehörde EPA zu Wort. Deren Chef Christopher Grundler sagte dem "Handelsblatt": "Wir haben Mercedes kontaktiert und Testergebnisse für die amerikanischen Dieselmotoren eingefordert." Damit reagierte die Behörde auf eine Zivilklage von Mitte Februar. Hierbei geht es um Diesel-Modelle von Mercedes-Benz, bei denen der Ausstoß von Stickoxid (NOx) laut Klägern die US-Vorschriften bei unter zehn Grad Celsius um das 65-fache überschritten wird. Dem Konzern werden Verstöße gegen Umweltgesetze und - wie bei der Klage-Ankündigung der Deutschen Umwelthilfe - eine Irreführung der Verbraucher vorgeworfen. Eine Daimler-Sprecherin betonte, man setze kein "defeat device" (Schummelsoftware) ein, die Sammelklage sei unbegründet.

Programm offen gelegt?


Die EPA wirft Daimler bisher keine Manipulationen vor, solche Anschuldigungen richten sich nur gegen VW. Bei den Vorwürfen in der Zivilklage geht es um die NOx-Emissionen von Fahrzeugen mit Blue-Tec-Dieselmotoren. Bei der Mercedes-C-Klasse gab es bereits Vorwürfe der DUH - zuletzt, nachdem das niederländische Prüfinstitut TNO erhöhte Werte festgestellt hatte. Einrichtungen zur Abgaskontrolle sind in der Autobranche durchaus verbreitet - damit soll der Motor geschont werden. Sie sind den Autoherstellern in den USA auch nicht verboten. Allerdings müssen diese Programme von den Behörden genehmigt werden.
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