Oberpfälzer Firmen oft offline

Die Auftragsbücher sind mächtig gefüllt, die Umsatzerwartungen fallen besser als 2014 aus. Einen Wermutstropfen aber enthält die Geschäftskunden-Studie der Commerzbank: 70 Prozent der Befragten sind im Internet kaum aktiv.

Weiden. "Digital besteht unternehmerisch der größte Nachholbedarf", sagt Sebastian Hackl, Niederlassungsleiter Privatkunden bei der Commerzbank Weiden. Nur ein Fünftel der ostbayerischen Geschäftskunden (bis 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz) ist für Smartphone-Nutzer über mobile Seiten oder Apps erreichbar: deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt (37 Prozent).

Deutschlandweit ließ die Commerzbank mehr als 3000 Geschäftskunden befragen, davon 50 Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende in Ostbayern. Sie befürchten gleichzeitig "wachsende Konkurrenz durch das Internet", während lediglich bei jedem Sechsten Online-Einkauf möglich ist oder die Kommunikation mit den Kunden "online oder mobil nur selten erfolgt".

Ein Viertel der Befragten in der Oberpfalz und in Niederbayern präsentiert sich in sozialen Medien wie Facebook. Dabei sammelten hier nur sieben Prozent negative Erfahrungen. Zwei Prozent nutzen PayPal oder ähnliche Online-Bezahlverfahren: "Dafür zahlt jeder Vierte im digitalen Zeitalter immer noch bar", erklärt Kurt Schwer, der bei der Commerzbank Weiden die Geschäftskunden-Beratung verantwortet. Magere 16 Prozent wickeln einen Großteil ihres Geschäfts (zwei Drittel) online ab.

Laut Umfrage verringerten sich auch die Investitionen in den IT-Bereich um fast die Hälfte, gleichzeitig verdoppelten sie sich für die Produktionstechnik. Weil das Internet weniger als Bedrohung empfunden wird, hält knapp die Hälfte Investitionen in EDV, Internet oder mobile Kommunikation für wichtig; 2014 waren es noch 57 Prozent. Ein ähnlicher Trend ist auch bundesweit zu erkennen. Mehr als die Hälfte der ostbayerischen Geschäftskunden hat geplante Investitionen bereits vollständig oder zum Teil umgesetzt; ein Drittel dagegen investiert überhaupt nicht.

Kredit-Nachfrage schwach

Ein Großteil der Vorhaben wird aus dem laufenden Geschäftsbetrieb finanziert, ein weiteres Viertel über Rücklagen. Zum Leidwesen der Banken greifen nur 21 Prozent auf Kredite und Leasing zurück. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die unternehmerische Kredit-Nachfrage - trotz Niedrigstzinsen (z. B. 2,75 Prozent auf 10 Jahre) - mau ist und die Banken auf viel Liquidität sitzen. Insgesamt sind die ostbayerischen Geschäftskunden für 2016 sehr zuversichtlich. Als größte unternehmerische Risiken werden Fachkräftemangel und Arbeitsunfähigkeit gesehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13790)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.