Ökonomen rechnen für 2016 mit Steigerung der Wirtschaftsleistung von 1,6 Prozent
Moderates Wachstum, mehr Beschäftigung

Die Experten rechnen für dieses Jahr mit 1,6 Prozent Wachstum. Das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als zuvor erwartet. 2017 soll es dann ein Plus von 1,5 Prozent sein. Die Zahl der Arbeitslosen wird im kommenden Jahr leicht steigen. Grafik: dpa

Berlin. Der private Konsum hält die deutsche Wirtschaft auf Trab. Dabei regen die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) die Inlandsnachfrage nach Einschätzung von Ökonomen zusätzlich an. In ihrer Prognose rechnen die Experten bis ins kommende Jahr hinein sowohl in Deutschland als auch weltweit mit einem mäßigen Wachstumstempo. Risiken gingen vom Strukturwandel in China aus.

Die große Zahl an Flüchtlingen werde zwei Effekte haben: Sie treibe zum einen die öffentliche Konsumnachfrage an, werde aber auch die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr leicht steigen lassen. Die Institute erwarten in diesem Jahr 1,6 Prozent mehr Wirtschaftsleistung in Deutschland, das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als in der Prognose vom vergangenen Herbst. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt dann um 1,5 Prozent steigen. Grund für die niedrigere Prognose sei die Tatsache, "dass sich die Weltwirtschaft Ende 2015 merklich abgekühlt" habe, sagte der Chefökonom des Münchener Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, in Berlin. Für den Arbeitsmarkt zeigen sich die Institute abermals zuversichtlich: So dürften in diesem Jahr rund 500 000 und im nächsten Jahr 390 000 Erwerbstätige hinzukommen. Wegen der Flüchtlinge, die dann verstärkt auf den Arbeitsmarkt kommen, werde aber die Erwerbslosigkeit leicht steigen - von 2,74 Millionen (6,2 Prozent) in diesem auf 2,82 Millionen (6,4 Prozent) im nächsten Jahr.

Anders als deutsche Banken, Versicherer und Politiker, die negative Folgen für Sparer und die Altersvorsorge beklagen, unterstützen die Institute die Niedrigzinspolitik der EZB. Dies gelte, solange die Kapazitäten in der Produktion der EU "nicht wieder normal ausgelastet sind", sagte Wollmershäuser. Es sei auch noch "keine Blase oder Überhitzung", etwa auf dem Immobilienmarkt festzustellen, von regionalen Ausnahmen abgesehen. Die Ökonomen empfahlen der Regierung, ihre Ausgaben mehr in Investitionen zu lenken als in den Konsum. Auch eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung könnte die Wirtschaft stimulieren. Immerhin werde der Staat nach 21 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss 2015 in diesem 11 Milliarden und 10 Milliarden 2017 übrig haben.
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