Österreich lockt Bayern mit Strom-Garantie

Ein Angebot aus Österreich könnte den geplanten Stromtrassenbau quer durch Bayern überflüssig machen. In der Alpenrepublik gibt es so viel Strom, dass damit die ab 2022 entstehende Versorgungslücke nach Abschaltung der bayerischen Atommeiler geschlossen werden könnte.

Die Rechnung machte Wolfgang Anzengruber, Vorstandschef des größten österreichischen Energieversorgers "Verbund AG", bei einem Energiekongress im Münchner Wirtschaftsministerium auf. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Bis auf einen kleinen Lückenschluss zwischen Oberösterreich und Niederbayern müssten keine neuen Stromtrassen gebaut werden, erklärte Anzengruber demnach.

Nach Auskunft der "Verbund"-Sprecherin für den Geschäftsbereich Oberösterreich/Bayern, Eveline Fitzinger, besteht in ganz Österreich eine Stromüberkapazität von mindestens 6000 Megawatt. Das entspricht ungefähr der Leistung der aktuell in Bayern noch betriebenen Atomkraftwerke. Es handle sich dabei um "gesicherte Leistung" aus Wasserkraft sowie Gas- und Kohlekraftwerken, erklärte Fitzinger auf Anfrage. Würden alle Kraftwerke unter Volllast fahren, bringe dies eine gesicherte Leistung von 17 000 Megawatt. In Österreich würden aber maximal 11 000 Megawatt benötigt.

Exklusiv für Bayern

Anzengruber hatte betont, die österreichischen Anlagen könnten exklusiv für Bayern zur Verfügung gestellt werden. Sie könnten immer dann angefahren werden, wenn sie benötigt würden. Dies wäre erforderlich, wenn nicht ausreichend Strom aus Sonnen- und Windkraft vorhanden ist. Die Staatsregierung erwägt für diesen Fall, in Bayern neue Gaskraftwerke errichten zu lassen. Für derartige Reservekapazitäten finden sich aber unter den derzeitigen Marktbedingungen keine Investoren. Während sich Wirtschaftsministerin Ilse Aigner noch nicht zu dem Angebot äußern wollte und auf den laufenden Energiedialog verwies, äußerte sich die Opposition zurückhaltend bis skeptisch. Grünen-Energieexperte Martin Stümpfig sprach von einem "vergifteten Angebot", da der österreichische Kraftwerkspark neben Wasserkraftturbinen vorwiegend aus "veralteten fossilen Anlagen mit schlechter Umweltbilanz" bestehe. Derartige Kraftwerke gebe es auch in Bayern mehr als genug. Einen Ersatz für die Stromautobahnen sah Stümpfig nicht. "Es wäre absurd, Windkraftanlagen in Norddeutschland abzuregeln und ihren sauberen durch dreckigen Strom aus Österreich zu ersetzen", sagte Stümpfig. Das habe nichts mit Energiewende zu tun.

SPD warnt vor Preisdiktat

Nach Einschätzung der SPD-Energiepolitikerin Natascha Kohnen lässt das Angebot aus Österreich "extrem viele Fragen" offen. Sie warnte davor, sich in die Abhängigkeit eines Anbieters zu begeben. Man könne sich so schnell einem "Strompreisdiktat" aussetzen. Zur Kostenfrage ließ sich "Verbund"-Sprecherin Fitzinger im Gespräch mit unserer Zeitung nichts Konkretes entlocken. (Kommentar)
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