Online und vor Ort erfolgreich

Traditionelle Läden und E-Commerce bilden häufig Gegensätze. Dass die beiden Geschäftsmodelle nicht wie "Feuer und Eis" konträr zueinander stehen, zeigen zwei erfolgreiche Beispiele aus Weiden. Das eine tun, ohne das andere zu lassen ...

Weiden. Gerade in mittleren Städten wie Weiden und Amberg geht das starke Wachstum der Online-Shops meist auf Kosten des stationären Einzelhandels. Beim Herbstpressegespräch präsentierte der Wirtschafts-club Nordoberpfalz am Donnerstag zwei interessante Mitgliedsunternehmen: "Denn die Digitalisierung ist längst kein Trend mehr, sondern in der Realität angekommen", sagt Präsident Jürgen Spickenreuther. Er spricht sich dafür aus, Weiden zu einer "hybriden Einkaufsstadt" zu entwickeln. "Hier muss noch ein deutlicher Schub erfolgen."

Mit einem Höchstmaß an Flexibilität, "extremer Service-Orientierung", Freundlichkeit und Spezialisierung besetzt der "Herrenausstatter" eine "Marktnische, die es uns erlaubt, gute Geschäfte zu machen", betont Inhaber Norbert Turban.

"Wir bieten den Kunden immer etwas zum Trinken an; individuelle Auswahlsendungen sind selbstverständlich kostenlos, und Termine gibt es auch abends - außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten." Seit der Gründung im Jahr 2000 auf 75 Quadratmetern Verkaufsfläche am Unteren Markt in Weiden vergrößerte sich das Herrenfachgeschäft auf 220 Quadratmeter: im ersten Obergeschoss in der Wörthstraße (ehemals Carlson) 2005. An der Seite von Turban stehen inzwischen zwei Teilzeit- und drei Vollzeitkräfte sowie eine Auszubildende.

Nur "Lippenbekenntnisse"

Die "dominierende Rolle" im Sortiment stellen Herrenanzüge dar, gerade für Hochzeiten. "Wir nehmen uns Zeit für die Beratung." Beste Erfahrungen macht Turban damit, dem Bräutigam Gutscheine mitzugeben: Nicht wenige Festgäste suchen dann den "Herrenausstatter" auf. Die Kundschaft kommt bis aus Regensburg; eingeschlagen haben auch spezielle "Pakete" für die vielen Abschlussbälle der Schulen. "Der Anteil der Stammkunden ist sehr hoch", meint Turban, der auf das "Individuelle und Unkonventionelle" setzt. "Dies sind im Einzelhandel oft nur Lippenbekenntnisse." Der "Herrenausstatter" ist auf regionalen Hochzeitsmessen präsent, unterhält selbstredend einen Internet-Auftritt (aber keinen Online-Shop) und ist in den sozialen Netzwerken aktiv.

Reise mit "Multi Channel"

Als "reinen Online-Shop" gründete Nicolas Götz 1996 sein Reisebüro "Nix-wie-weg". Inzwischen ist er auch mit drei stationären Reisebüros in Regensburg, Weiden (Leibnizstraße) und Parkstein (Kreis Neustadt/WN) vertreten. Herkömmlich sind diese Geschäfte nicht, denn Götz ist mit seinen 35 Mitarbeitern im "Multi Channel" auf der Reise: "Viele Kunden buchen online häufiger, weil es die persönliche Beratung im Laden gibt. Und umgekehrt." Jedenfalls seien durch die Läden die Online-Buchungen deutlich angestiegen.

Die Daten-Verknüpfung der Online- und Laden-Kunden stellt den Schlüssel für das jährlich zweistellige Wachstum dar: "Der stationäre Kunde wird datentechnisch genauso behandelt wie der Online-Kunde." Über "Nix-wie-weg" ("Der Urlaubsberater") buchen inzwischen 35 000 Personen, von denen 5 Prozent aus der Region kommen, die schönste Zeit des Jahres. Einen "enormen Anstieg des Traffics" vermeldet Götz bei den mobilen Online-Zugriffen: Der Anteil der Tablets liegt bei 15 Prozent, der Smartphones bei 35 Prozent. Die Buchungsquote sei jedoch mobil katastrophal. "Gebucht wird am PC."

Unter den stationären Standorten wachse Parkstein am stärksten. "Hier können die Kunden vor dem Geschäft parken", beobachtet Götz, den es einigermaßen überrascht, dass der Weidener Einzelhandel aufgrund der Parksituation "überhaupt noch läuft": "Wer kann, meidet die Innenstadt in Weiden."

Nicolas Götz lobt die Hotelfachschule Wiesau als "Glücksfall" bei der Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter. Kritisch sieht er das "relativ dünne Niveau" der Bachelor-Absolventen: "Da ist nicht alles Gold, was glänzt." An den Rabatt-Schlachten in seiner Branche beteiligt sich Götz bewusst nicht: "Der Preis ist nicht alles. Die Kunden sehen, welche Leistungen bei uns dahinterstehen." Zu erkennen, "was der Kunde möchte und was ihm gefällt", sei das Wichtigste. "Die persönliche Schiene ist zeitlos. Wir unterlegen sie digital."
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