Pfleiderer brettert nach vorn

Jede Menge Holz vor und in der Hütte: Im neuen Pfleiderer-Werk in Neumarkt werden Spanplatten mit einer Länge von bis zu 5,30 Metern und 2,20 Metern Breite gepresst. Bilder: dpa

Der Oberpfälzer Holzverarbeiter Pfleiderer hatte 1,4 Milliarden Euro Schulden. Nach einer Insolvenz und einer umfassenden Sanierung blickt das Unternehmen wieder mit Zuversicht in die Zukunft.

Das Holzlager, die Sägespäne und Holzschnitzel türmen sich zu einem viele Meter hohen Berg auf. Der Fuhrpark des Holzverarbeiters Pfleiderer mit mehr als 50 Lastwagen ist dauerhaft im Einsatz. Die Produktion läuft rund um die Uhr - in vier Schichten. Nichts deutet in Neumarkt mehr auf die Krise des Konzerns vor knapp drei Jahren hin.

Die damaligen Manager hatten sich mit ehrgeizigen Expansionsplänen in den USA verhoben, einen Schuldenberg von rund 1,4 Milliarden Euro angehäuft und das Unternehmen fast ruiniert. Nun meldet Pfleiderer wieder Erfolge: Das Vertrauen der Kunden kommt zurück, und die Konzernleitung setzt auf neue Geschäftsfelder.

"Der Start in die Zukunft ist 'Green Building' - das Bauen mit Holz", sagt der Sprecher der Geschäftsführung der Pfleiderer GmbH, Michael Wolff. Zwar produziert der Konzern nach wie vor hauptsächlich für die Möbelindustrie, den Holzfachhandel und Holzverarbeiter wie etwa Schreinereien. Um sich aber neue Wachstumsfelder zu erschließen, will Wolff mit Elementen für den privaten und öffentlichen Gebäudebau mehr Aufträge gewinnen.

Holz sei als Baustoff im Vergleich zu Stahl und Beton vor allem aus energetischen und klimatechnischen Aspekten interessant, sagt der 54-Jährige. "Der aufgeklärte Bürger beschäftigt sich mit CO2-Speichern und Raumklima". Laut Vorhersagen der Bauindustrie steigt das Wachstum beim privaten Hausbau und beim öffentlichen Hochbau im kommenden Jahr bis zu 3 Prozent, 2016 gar bis zu 5 Prozent.

Holz boomt als Baustoff

Wachstumschancen sieht die Branche vor allem in den Städten. Auch Kommunen setzen immer häufiger auf Holzbauweise für Kindergärten, Schulen, Konzert- oder Sporthallen. Hinzu kommt laut Wolff die im Vergleich zu anderen Materialien im Hausbau "unschlagbare" Ökobilanz. Mit Sorge betrachte er daher die zunehmende Menge an Holz, die zum Heizen verfeuert wird. "Holz als natürlicher Werkstoff und Wertstoff sollte solange genutzt werden, wie es geht und erst dann verbrannt werden", betont Wolff.

Pfleiderer hat am Stammsitz in Neumarkt für 30 Millionen Euro ein neues Werk gebaut. Dort können Spanplatten bis zu einer Länge von 5,30 und einer Breite von 2,20 Metern gepresst werden. Derzeit haben laut Wolff alle Produktionsanlagen eine Auslastung von gut 90 Prozent.

Wirtschaftlich hat sich die Strategie für den Konzern ausgezahlt. Der Umsatz stieg in den ersten drei Quartalen 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent auf 728 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern konnte um 110 Prozent auf 53 Millionen Euro erhöht werden und das Nettoergebnis drehte sich von minus 11 Millionen Euro auf plus 20 Millionen Euro.

Der Schuldenberg wurde von 1,4 Milliarden Euro vor der Insolvenz auf 380 Millionen reduziert. Die Eigenkapitalquote liegt bei 29 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt rund 3300 Mitarbeiter, davon alleine in Deutschland etwa 2000.
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