Pilotabschluss am frühen Morgen

Hand drauf: Der Vorsitzende von Südwestmetall, Stefan Wolf (links), und der Bezirksleiter des IG Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. Bild: dpa

Die Metall-Tarifvertragsparteien im Südwesten sind ihrem Ruf als geschickte Verhandler gerecht geworden: In einer langen, aber ohne große Ärgernisse absolvierten Verhandlungsrunde haben sie einen Abschluss für die gesamte Metallbranche geschmiedet.

Um 5.05 Uhr am Dienstagmorgen war es offiziell: Im Presseraum des Böblinger Kongresszentrums verkündeten die Metall-Tarifparteien ihren Pilotabschluss. Südwestmetall-Chef Stefan Wolf war nach der Marathonsitzung die Erleichterung anzumerken. Mit einem Lächeln trat der Chef des schwäbischen Automobilzulieferers ElringKlinger vor die Presse. Sein Gegenspieler, IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger, hielt seine Emotionen nach der durchwachten Nacht im Zaum. Für beide Verhandlungsführer war es der erste richtungsweisende Tarifabschluss. Er beschert den 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche ein Lohnplus von 3,4 Prozent.

Altersteilzeit

Nach Bayern in der vorigen Tarifrunde war diesmal erneut der traditionelle Pilotbezirk Baden-Württemberg dazu auserkoren, den gordischen Knoten zu lösen. Schon in der Vergangenheit hatten die Tarifvertragsparteien im Südwesten ein Händchen für qualitative Themen bewiesen. Von diesen hatte die IG Metall zwei auf die Agenda gesetzt: Sie verlangte neben 5,5 Prozent mehr Geld eine verbesserte Altersteilzeitregelung und eine von den Arbeitgebern bezuschusste Weiterbildungsteilzeit. An diesen Themen hatten sich die Tarifparteien über Stunden festgebissen. Dabei geht es vor allem um die Frage, wer das Sagen im Betrieb hat. Nach Ansicht der Arbeitgeber sollte der Kreis der Menschen mit Anspruch auf Altersteilzeit nicht ausgeweitet werden. Die Gewerkschaft dagegen wollte die Bereiche ausdehnen, in denen die Arbeitnehmer Rechte geltend machen können. Bei der Altersteilzeit gelang es ihr allerdings nur, die von den Arbeitgebern angestrebte Halbierung der Altersteilzeitquote von vier Prozent der Belegschaft abzuwehren.

Mehr Erfolg hatte sie mit ihrer Forderung, den vorzeitigen Ausstieg für untere Entgeltgruppen finanziell attraktiver zu machen. Der IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel bezifferte die künftigen Bezüge während der Altersteilzeit für diesen Personenkreis auf rund 90 Prozent des letzten Netto-Entgelts.

Freiwillige Vereinbarungen

Bei der Weiterbildung hätte die Gewerkschaft gerne erreicht, dass die Betriebe mit nicht ausgeschöpften Mitteln aus dem Topf zur Finanzierung der Altersteilzeit Weiterbildungswillige unterstützen müssen. Dagegen liefen die Arbeitgeber Sturm. Der Abschluss sieht jetzt nur freiwillige Betriebsvereinbarungen für eine Förderung der Qualifizierung vor. Diese soll sich an dem betrieblichen Bedarf des jeweiligen Unternehmens orientieren. Da die Weiterbildung deutschlandweit unterschiedlich geregelt ist, empfehlen Gesamtmetall und IG Metall die Böblinger Einigung zu diesem Komplex den anderen Tarifbezirken nicht zur Übernahme.

Das Entgelt war in dieser Tarifrunde das geringste Problem. Zwar betonten die Arbeitgeber, wie schwer die 3,4 Prozent für die Unternehmen, insbesondere die kleinen und mittleren, zu verdauen seien. Die Wettbewerbsfähigkeit sei enorm belastet. Doch die gute wirtschaftliche Lage spielte der Gewerkschaft in die Hände. Die Auftragsbücher sind voll, die Konjunkturerwartungen positiv. Und die Warnstreiks von mehr als 850 000 Metallern seit Ende Januar haben den Unternehmen einen Vorgeschmack auf das gegeben, was im Falle eines Scheiterns und eines anschließenden Arbeitskampfes auf sie zugekommen wäre.
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