Piloten stürzen in Umfrage ab

"Keep calm and carry on" ("Ruhig bleiben und weitermachen") steht auf einem Koffer an einem Check-in-Automaten in Frankfurt. Die Streiks der Lufthansa-Piloten haben bereits rund eine Million Passagiere betroffen. Bild: dpa

Die Lufthansa fliegt nach vier Tagen Piloten-Streik wieder nach Plan. Wie lange der Frieden hält, ist unklar. Die Kapitäne stoßen auf nur wenig Verständnis, wie eine Umfrage zeigt. Und schon heute steht der Airline der nächste Konflikt ins Haus - dieses Mal mit dem Bodenpersonal.

Bei einer repräsentativen Yougov-Umfrage im Auftrag der Kommunikationsagentur Ketchum Pleon erklärten 55 Prozent der Befragten, dass sie den Streik der Piloten nicht mehr für verhältnismäßig halten. Eine Mehrheit von 52 Prozent sieht die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als wesentlichen Verursacher des Streiks an, der den Flugbetrieb seit einem Jahr in zwölf Wellen behindert hat. Rund eine Million Passagiere waren betroffen. Das Lufthansa-Management sahen nur 19 Prozent als Urheber des heftigsten Tarifkonflikts in der Unternehmensgeschichte.

Laut Umfrage haben die Befragten für die Forderungen der Piloten wenig Verständnis. Für 29 Prozent entbehrt der Streik jeder Verhältnismäßigkeit, weitere 26 Prozent sind der Meinung, dass die Piloten ihre Position zum Nachteil der Lufthansa-Kunden ausnutzen. Die Lufthansa flog unterdessen am Sonntag wieder weitgehend nach Plan. "Der Flugbetrieb hat sich normalisiert", sagte ein Sprecher von Deutschlands größter Airline in Frankfurt. Auf der Langstrecke habe es aus betrieblichen Gründen noch einzelne Ausfälle gegeben. Ob und wann die Piloten ihren Streik fortsetzen, blieb zunächst unklar. Neue Ausstände seien jederzeit möglich, würden aber 24 Stunden vorher angekündigt, sagte ein VC-Sprecher. Der jüngste Streik der Piloten hatte von Mittwoch bis Samstag um Mitternacht gedauert. Lufthansa hatte am Samstag nach eigenen Angaben 74 von 160 geplanten Langstrecken-Routen streichen müssen. Gut 20 000 Passagiere seien davon betroffen gewesen, hieß es. Auch bei den Frachtflügen war es zu Ausfällen gekommen - jedoch weniger stark als zunächst angenommen. Der Tarifkonflikt, der sich vor allem um die Vorruhestandsregelung für das Cockpit-Personal dreht, ist nach wie vor ungelöst. Heute steht der nächste schwierige Tarifkonflikt an: Die Gewerkschaft Verdi verlangt für rund 33 000 Beschäftigte am Boden 5,5 Prozent mehr Geld. In den Verhandlungen mit Verdi zum Bodenpersonal geht es aber nicht nur um Geld. Der eigentliche Konfliktpunkt dürfte die Weigerung der Gewerkschaft sein, mit der Fluglinie in dieser Runde auch über die betriebliche Altersversorgung zu sprechen.
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