Pilzgenuss ohne Reue
Ratgeber

Berlin.(dpa) Die Giftnotrufzentralen berichten in diesem Herbst von auffällig vielen Fällen von Pilzvergiftungen. Die handeln sich Sammler schnell ein, wenn sie unvorsichtig sind. Einige Tipps dazu, welche Anzeichen auf eine Vergiftung hindeuten, wie sie sich vermeiden lässt und wie man richtig reagiert.

Wie erkenne ich essbare Exemplare?

Für Laien sind giftige von ungiftigen Exemplaren schwer zu unterscheiden. Zum Beispiel kann sogar der giftige Grüne Knollenblätterpilz mit dem Champignon verwechselt werden - denn er ist nicht immer grün, sondern auch mal weiß. Daher sei die Bestimmung von Pilzen mit Büchern oder Apps für Smartphones für Laien gefährlich, sagen Experten. Besser sei es, die Exemplare von Pilzberatungsstellen begutachten zu lassen. Kontaktdaten haben oft die Gemeindeverwaltungen oder Gesundheitsämter.

Und die Experten raten: Sammler dürfen nie Pilze auflesen und essen, die sie nicht mit Sicherheit erkennen. Wer sich gar nicht auskennt, sollte lieber im Handel kaufen.

Gibt es keine Tipps und Tricks zum Erkennen?

Weder Schneckenfraß noch Madengänge deuten darauf hin, dass ein Pilz ungiftig ist. Auch Hausmittelchen wie ein anlaufender Silberlöffel oder eine mitgekochte Zwiebel eignen sich nicht als Indiz für eine mögliche Gefahr.

Was muss ich beim Sammeln beachten?

Ein geeignetes Exemplar wird am besten vorsichtig aus der Erde gedreht, erklärt der Verbraucherinformationsdienst AID. Dann das Loch mit Erde, Laub oder Nadelstreu abdecken. Wer den Pilz aus dem Boden reißt, beschädigt auch dessen Myzel - den eigentlichen Pilz. Das fadenförmige Geflecht im Boden produziert den sichtbaren Fruchtkörper.

Viele einheimische Pilze stehen unter Artenschutz und dürfen nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Dazu gehören Steinpilz, Pfifferling, Schweinsohr, Brätling, Rotkappe, Birkenpilz und Morchel. Kaiserling, Trüffel und Saftlinge dürfen gar nicht aus dem Wald geholt werden.

Transportiert werden sollten Pilze luftig in Körben. Sonst zersetzt sich das Eiweiß der Fruchtkörper schnell, und sie werden ungenießbar. Empfehlenswert ist es, nicht bei feuchtem Wetter, das Schimmel begünstigen kann, zum Sammeln zu gehen.

Wann muss ich nach dem Verzehr besorgt sein?

Symptome einer Pilzvergiftung sind etwa Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Das Gift des Knollenblätterpilzes zum Beispiel greife in schweren Fällen die Leber an und könne bis zu deren völliger Zerstörung führen, erklärt der Mediziner Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum Nord in Göttingen.

Fühlen Menschen sich nach einer Pilzmahlzeit unwohl, sollten sie sofort den Notarzt oder den Giftnotruf anrufen. Dieser vermittelt Anrufer an Pilzberater und erklärt, was genau zu tun ist. Die Reste der Pilze werden am besten aufgehoben, um im Notfall bestimmen zu können, um welche Sorte es sich handelt.
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