Planungsausschuss gibt mit neun Ja-Stimmen grünes Licht
Ställe für 300.000 Hähnchen

Symbolbild: dpa
Schwandorf. (ch) Stadträtin Marion Juniec Möller (Grüne) versteht die Welt nicht mehr. Es könne doch nicht im Sinn der Stadt sein, industrielle Hühnchenproduktion zu unterstützen. Die Mehrheit des Planungsausschusses sieht das anders: Bei Kapflhof könnten zwei Hallen zur Geflügelmast für bis zu 300.000 Hähnchen entstehen.

Gegen die Stimmen von Juniec-Möller und Andreas Weinmann (SPD) gab der Ausschuss mit neun Ja-Stimmen grünes Licht. Die Diskussion darüber, ob die Stadt industrielle Tierproduktion zulassen solle, nannte Andreas Wopperer "scheinheilig": Die Nachfrage sei da, mithin sei es ihm lieber, das Fleisch werde unter den strengen Vorschriften hier im Lande produziert. Regionale Produktion werde schließlich gefordert. Das konnte Juniec Möller nur als "zynisch bis zum geht nicht mehr" auffassen. Massentierhaltung in industriellem Ausmaß kommt für sie auf keinen Fall infrage. "Es ist für mich vollkommen unverständlich, wie die Stadt so etwas wollen kann," sagte Juniec-Möller.

Manfred Schüller (SPD) stellte zwar voran, dass bei ihm auch eher Geflügelfleisch aus Freilandhaltung auf den Tisch komme, folgte aber sonst der Einschätzung Wopperers. Wenn die gesetzlichen Vorschriften eingehalten würden, sei gegen die geplanten Hallen nichts einzuwenden. Das vorgesehen Grundstück ist weitgehend von Wald umgeben und liegt etwa drei Straßenkilometer südwestlich von Neukirchen. Die geplanten Ställe haben gewaltige Ausmaße: Laut Vorlage der Verwaltung sollen die Gebäude nahe des Stadtteil Kapflhof 200 Meter lang, 44 Meter breit und 7,50 Meter hoch werden. Weil die Anlage so groß dimensioniert ist, greift die klassische Regelung für landwirtschaftliche Produktionsstätten nicht mehr. Die Stadt müsste für den Bereich nördlich von Kapflhof, der derzeit als Feld genutzt wird, den Flächennutzungsplan ändern, ein Sondergebiet ausweisen und - wahrscheinlich auf Kosten des Investors - einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen. Erste Untersuchungen zu Staub- und Geruchsimmissionen habe der Investor schon angestellt. Grundsätzlich sei das Gelände geeignet. Bevor er weiter in die kostspieligen Planungen einsteigt, wollte der Investor Klarheit. Die bekam er in Form eines Grundsatzbeschlusses.

Wie in der Sitzung am Dienstag bekannt wurde, waren Oberbürgermeister Andreas Feller und die Fraktionsvorsitzenden im Vorfeld der Sitzung mit dem Investor unterwegs und besichtigten eine ähnliche Mastanlage. Dabei sei weitgehendes Einverständnis signalisiert worden, sagte Feller am Dienstag. Der erforderliche Antrag, um das Bauleitplanverfahren einleiten zu können, soll in der nächsten Sitzung des Planungsausschusses vorgelegt werden. Diese ist bislang noch nicht terminiert.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.