Plötzlich ohne Piëch

Ob die Hauptversammlung Licht in die Zukunft bei VW bringen wird, ist laut Experten fraglich. Bild: dpa

Die Spitzen bei Europas größtem Autobauer Volkswagen bereiten sich nach der Führungskrise auf das Aktionärstreffen heute in Hannover vor. Dafür versammelten sie sich gut abgeschirmt in einem Luxushotel im Herzen der Landeshauptstadt.

Führende Aufsichtsräte und Vorstände des Autobauers Volkswagen haben sich vor dem Aktionärstreffen am Dienstag in Hannover beraten. Am späten Montagnachmittag stand die Aufsichtsratssitzung an, auf der die mit Hochspannung erwartete Hauptversammlung vorbereitet werden sollte. Die Manager und Kontrolleure kamen dazu in einem Fünf-Sterne-Hotel zusammen. Darunter auch Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34), die das Gremium nach dem Abgang ihres Onkels Ferdinand Piëch (78) und seiner Frau Ursula (58) künftig komplettieren.

Bereits um 13 Uhr hatte sich das sogenannte Aufsichtsratspräsidium getroffen, im Anschluss die Anteilseigner. Die Sitzung am Tag vor der Hauptversammlung ist obligatorisch. Wer als Piëchs Nachfolger den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen soll, ist unklar. Kommissarisch macht das derzeit Aufsichtsratsvize Berthold Huber von der IG Metall. Huber wird auch die Hauptversammlung leiten.

Nachfolge später klären

Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, dass weder am Montag noch im Zuge des Aktionärstreffens eine Entscheidung über die Piëch-Nachfolge fallen soll. Die Sitzung des Aufsichtsrates am Montag habe auch den Zweck, einige strategische Themen im Tagesgeschäft zu behandeln. Bei einer weitere Sitzung am Dienstagabend dürfte es dann um die Führungsfrage gehen. "Vom Programm her wird es eine richtig langweilige Hauptversammlung", sagt ein Konzerninsider. Es sei wohl davon auszugehen, dass Huber eingangs zur Führungskrise Stellung nimmt und dann bekräftigen wird, dass sich das Gremium mit der Nachfolgefrage Zeit lassen will. "Der Aufsichtsrat ist arbeitsfähig, das Management ist voll funktionsfähig", hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beim Rücktritt Piëchs gesagt. Man werde nun "in Ruhe und Umsicht beraten". Ziel sei es, einen einstimmigen Vorschlag zu unterbreiten. Ob Martin Winterkorn dabei eine Rolle spiele, wollten Weil und Huber nicht kommentieren. Der Konzernchef war bis zum Bruch mit Patriarch Piëch als Nachfolger gehandelt worden.

Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagte am Montag: "Ehrlich gesagt rechne ich bei der Hauptversammlung zwar mit vielen Fragen und Meinungsäußerungen der Aktionäre zur Causa Piëch, aber mit wenig Neuigkeiten seitens des Unternehmens." Aufsichtsratsmitglieder würden schweigen. Wie Wolfgang Porsche, der vermutlich zum neuen Vorsitzenden gewählt werden dürfte.

Piëch nicht geschlagen

Hocker gab auch zu bedenken: "Natürlich ist davon auszugehen, dass der Machtkampf noch nicht zu Ende ist." Piëch habe bisher lediglich die erste Schlacht verloren. "Die nächste Runde dürfte aber eher auf der Hauptversammlung der Porsche SE stattfinden." Über diese Holding steuert der Clan der Porsches und Piëchs seine Beteiligung an der Volkswagen AG - knapp 51 Prozent der Stimmrechte.
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