Plötzliche Aktion in Indien führt zu chaotischen Zuständen
Tote nach Geldschein-Entwertung

Sie hat es geschafft: Eine junge Frau hat alte in neue Banknoten getauscht. Dabei wurde ihr Finger mit Tinte markiert. Bild: dpa

Neu-Delhi/Dubai. Indiens überraschende Bargeldentwertung hat für manche fatale Folgen: Mindestens 33 Menschen sollen bislang an den Folgen der Aktion gestorben sein, wie die Zeitung "The Indian Express" am Mittwoch meldete. Ökonomen und andere Intellektuelle forderten in einem Brandbrief an die Regierung die sofortige Rücknahme der Maßnahme.

Vor einer Woche hatte Indiens Premierminister Narendra Modi unerwartet angekündigt, dass ab sofort alle großen Geldscheine ungültig seien. Damit wollte die Regierung Schwarzgeld-Besitzer abstrafen. Die aus dem Verkehr gezogenen 500- und 1 000-Rupien-Scheine machen aber über 80 Prozent des Bargeldumlaufs in Indien aus. Ihre Entwertung hat zu einem eklatanten Mangel gültiger Zahlungsmittel geführt, der besonders schwer wiegt, weil zwei Drittel der indischen Wirtschaft auf Bargeld-Basis funktionieren. Dies führte zu chaotischen Zuständen.

Im Bundesstaat Odisha starb laut Medienberichten ein zweijähriges Kind, weil ein Rikscha-Fahrer sich weigerte, es ins Krankenhaus zu bringen. Die Eltern hatten nicht genug kleine Geldscheine. Auch fünf weitere Kinder starben, weil den Angehörigen im Hospital das passende Geld fehlte. Im Bundesstaat Telangana starb eine 75-Jährige, nachdem sie über zwei Stunden vor einer Bank gewartet hatte, um ihr Geld umzutauschen. Der "Indian Express" berichtete auch von anderen Todesfällen vor Banken und Postämtern. Mindestens acht Menschen begingen Selbstmord, nachdem sie kein Geld mehr für Essen hatten. Ein Mann in West-Bengalen tötete seine Frau, nachdem diese mit leeren Händen vom Geldautomaten zurückgekommen war. Der versprochene Nachschub an neuen Banknoten stockt. Zudem können die Geldautomaten nicht so rasch umgestellt werden, weil die neuen Noten eine andere Größe haben als die alten.
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