Politik der Opec
Ölpreise nähern sich historischen Tiefständen

Die Förderpumpen laufen wie nie: Im November hat die Opec durchschnittlich 31,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich produziert. Archivbild: dpa

Die Ölpreise nähern sich historischen Tiefständen. Das Opec-Kartell pumpt dennoch weiter Rohöl in den Markt. Verbraucher können sich freuen, doch es gibt auch Kehrseiten.

Singapur/Wien. Trotz anhaltend niedriger Ölpreise hat die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihre Förderung auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren ausgeweitet. Im November habe das Kartell durchschnittlich 31,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich produziert, hieß es im am Donnerstag in Wien veröffentlichten Opec-Monatsbericht. Das ist der höchste Stand seit April 2012. Experten zufolge dürfte der Preis für Rohöl und in der Folge für Benzin, Diesel und Heizöl damit absehbar niedrig bleiben. Die Ölpreise befinden sich derzeit in der Nähe mehrjähriger Tiefstände.

Am Dienstag war der Preis für ein Fass der Nordseemarke Brent erstmals seit Februar unter 40 US-Dollar gerutscht. Am Donnerstag erholten sich die Preise etwas, Brent lag bei 40,45 US-Dollar pro Barrel, die Sorte WTI bei 37,40 Dollar. Im Sommer 2014 lagen die Preise noch teils deutlich über 100 US-Dollar.

Kartell vertagt Entscheidung


Die Opec liefert rund ein Drittel des weltweiten Erdöls und besitzt drei Viertel der Reserven. Damit hat sie einigen Einfluss auf die Ölpreisentwicklung. Ende vergangener Woche hatte das Kartell seine Entscheidung zu einer möglichen Einschränkung der Produktion auf 2016 verschoben, obwohl einige Mitgliedländer diese gefordert hatten (wir berichteten). Nach Experteneinschätzung versuchen führende Opec-Länder wie etwa Saudi-Arabien und andere Golfstaaten, Marktanteile gegen Konkurrenten außerhalb der Organisation, etwa in den USA, zu behaupten.

Gefahr für Förderländer


Während Verbraucher sich über diesen Wettstreit freuen können, ist er für Förderländer gefährlich, deren Haushalt stark von Öleinnahmen abhängig ist. Dazu gehört etwa Venezuela. Auch für den Klimaschutz ist der Trend bedrohlich. Wegen der günstigen Verfügbarkeit von Öl und anderen fossilen Energieträgern könnten Investitionen in erneuerbare Energien ausbleiben, warnte jüngst der Internationale Währungsfonds (IWF).
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