Post gehen die Briefeschreiber aus

Ab 1. Januar 2015 soll der das Porto für einen Standardbrief innerhalb Deutschlands auf 62 Cent steigen. Bild: dpa

Deutschland mailt, chattet und schreibt SMS. Das Privatbrief-Geschäft der Post geht seit Jahren zurück. Das Briefporto wird damit immer teurer. Betroffen sind vor allem Geschäftskunden, die noch viel verschicken.

Deutschlands Briefeschreiber müssen sich schon wieder an neue Briefmarken gewöhnen: Nach einem Jahr mit 60 Cent Porto erhöht die Post Anfang 2015 die Preise für den Standardbrief auf 62 Cent. Als Grund nennt sie die deutlich gestiegenen Personalkosten und hohe Investitionen. Hintergrund ist aber eine seit Jahren anhaltende Entwicklung: Im Zeitalter von Internet, SMS und Messengerdiensten gehen der Post die Briefeschreiber aus.

Knapp 7,5 Milliarden klassische Briefe hat die Post 2013 befördert, zehn Jahre zuvor waren es noch 9,2 Milliarden. Was die Post noch an Briefen befördert, ist zu 85 bis 90 Prozent Geschäftspost, oft mit Werbung. Um trotz sinkender Zahlen mit ihrem traditionellen Geschäft weiter Geld zu verdienen, hat die Post rationalisiert: Bis 2012 flossen etwa rund 400 Millionen Euro in moderne Sortieranlagen.

Hier lässt sich nicht mehr viel sparen, deshalb dreht der Konzern an der Preisschraube. So gab es bereits jeweils Anfang 2013 und Anfang 2014 Portoerhöhungen

Marktanteil 90 Prozent

Die Bundesnetzagentur beziffert den Marktanteil der Post im Brief-Bereich auf rund 90 Prozent. Wegen ihrer Marktmacht müssen die Bonner sich Portoerhöhungen genehmigen lassen. Grundlage ist unter anderem die Inflationsrate des Vorjahres. Die aktuelle Rechnung ergab 1,3 Prozent Erhöhungsspielraum. Deshalb musste die Post einige Brief-Produkte - zum Beispiel den schwereren "Kompaktbrief" - auch verbilligen, um mit der 2-Cent-Erhöhung für den Standardbrief (entspricht gut drei Prozent) insgesamt die Vorgabe nicht zu überschreiten.

Von der Portoerhöhung sind unter dem Strich vor allem Geschäftskunden betroffen. Sie schicken noch in großer Zahl Briefe und müssen nun auch für inhaltsgleiche Massensendungen deutlich tiefer in die Tasche greifen: Deren Porto steigt um drei auf 39 Cent. Reich wird die Post mit alledem aber nicht: Insgesamt ist der Brief-Markt aus Sicht der Bonner zum dauerhaft schrumpfenden Geschäft geworden.
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