Post will zurück zur Normalität

Montagnacht ging der Streik zu Ende. Danach will die Post möglichst schnell wieder zum regulären Betrieb zurückkehren. Schon am Montag gingen viele Postler wieder an ihre Arbeitsplätze zurück.

Nach dem längsten Poststreik seit 20 Jahren arbeitet das Unternehmen mit Hochdruck an der Rückkehr zum Normalbetrieb - der Beförderung der allermeisten Sendungen am Folgetag. Vorerst komme es "insbesondere in einigen Regionen zu erhöhten Rückständen bei der Zustellung", teilte die Post mit. Nach dem Poststreik werde sich die Arbeit im Großteil der Zustellbezirke innerhalb weniger Tage normalisieren, hatte Post-Personalchefin Melanie Kreis am Sonntag angekündigt.

Bis zu zwei Monate später

Allerdings könnte es vor allem bei Paketen noch länger dauern. In Brandenburg sprach Verdi-Fachbereichsleiterin Benita Unger von ein bis zwei Monaten möglicher Verspätung. An dem Streik hatten sich in den vergangenen Wochen täglich um die 30 000 Beschäftigte beteiligt. Millionen Briefe und Pakete blieben jeden Tag liegen, die jetzt nach und nach zugestellt werden müssen. Die Auswirkungen seien regional sehr unterschiedlich. "Aber wir setzen alles daran, die Rückstände sehr zeitnah aufzuarbeiten", sagte Kreis. Am letztem Streiktag gehe die Beteiligung schrittweise zurück, sagte ein Verdi-Sprecher. "Wer schon vor Mitternacht zur Arbeit gehen will, kann das gern tun. Wir haben nichts dagegen", sagte er.

Insgesamt lief der Ausstand seit Ostern an 52 Streiktagen. Die Gesamtkosten dürften sich auf einen hohen zweistelligen oder sogar einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag addieren. Die Post hatte mit Aushilfskräften, Umorganisation sowie Zusatzarbeit an drei Sonntagen versucht, die Postberge abzubauen und dafür nach Schätzungen täglich Millionen aufgewendet. Die Streikkasse der Gewerkschaft dürfte mit etwa 30 Millionen Euro belastet worden sein, berechnete Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Weder Post noch Verdi bestätigten diese Zahlen.

Viele Problemgebiete

Die Post hatte in dem vierwöchigen unbefristeten Streik nie benannt, welche Regionen besonders betroffen waren. Nach Schilderung von Postkunden gab es aber vor allem in Ostdeutschland große Probleme, da dort kaum Beamte für streikende Angestellte einspringen konnten. Berlin und München waren stark beeinträchtigt, aber auch in Münster blieben Briefe teils zwei Wochen liegen.

Die Post lobte den Abschluss als "Gesamtpaket, das unseren Mitarbeitern Sicherheit und Perspektive bietet sowie gleichzeitig künftiges Wachstum ermöglicht". Zentraler Streitpunkt waren neue Regionalgesellschaften im Paketdienst mit schlechterer Bezahlung als der Haustarif. Hiermit setzte sich die Konzernspitze durch, verpflichtete sich aber zugleich, das Modell bis 2018 nicht auf den größeren Briefbereich zu übertragen. In diesen Gesellschaften sollten Tausende neue Stellen entstehen, sagte Kreis. Die Pläne eines Ausbaus von derzeit 6500 auf 20 000 bis 2020 nannte sie "sehr realistisch".
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