Problemloser Alleskönner

Kürbisse gibt es jetzt wieder in Hülle und Fülle - und Zugreifen lohnt sich. Bild: dpa

Kürbisse sind vielseitig: Sie schmecken in Suppen, als Füllung für den Sonntagsbraten oder in Aufläufen. Aber nicht alle Sorten sind für jedes Gericht gleich gut geeignet.

Walburga Loock hat ihre Leidenschaft für den Kürbis von ihren Kindern: 1988 höhlte sie mit ihnen gemeinsam einen aus. Damals ließ sie sich von der Begeisterung der Kleinen anstecken. Mit den Samen aus diesem ersten Kürbis begann sie ihre Sammlung. Zu dieser Zeit waren die Früchte noch schwer zu finden, erzählt Loock. Heute baut sie auf ihrem Hof im oberbayerischen Schwabhausen 300 Sorten an.

Vielleicht gab es vor wenigen Jahrzehnten auch deshalb keine große Auswahl, weil ein ganz bestimmtes Gericht den Deutschen die Lust auf das Gemüse vermieste: in Essig eingelegte Kürbiswürfel. "Das berühmt-berüchtigte Süßsauer", erklärt Brigitte Schöner, die mit ihrem Mann ein Kochbuch über Kürbisse geschrieben hat. Sie hält wenig von dieser Variante: "Der schlechtestmögliche Kürbis und die schlechtestmögliche Art zum Zubereiten." Der deutsche Gelbe Zentner sei eigentlich für Viehfutter gedacht gewesen, er sei sehr wässrig und habe wenig Geschmack.

Graue Sorten

Auf dem Hof von Loock ist die Nachfrage nach geschmackvolleren Kürbissen groß. Sie empfiehlt Besuchern graue Sorten: Sie hätten ein festes Fleisch und seien sehr nussig. Die weit verbreiteten Hokkaidos seien dagegen eher mehlig und passen deshalb als Zutat für Suppen oder Püree. Zu den grauen Kürbissen zählen zum Beispiel Buttercup, Hubbard und Queensland Blue. Beim Anbauen sei zu berücksichtigen, dass die Pflanzen Wärme lieben, erklärt Schöners Ehemann Hans Streicher, der Gärtner ist. In der zweiten Aprilhälfte können die Samen in einen Topf kommen - das schützt sie auch vor den Schnecken, die gerne die jungen Kürbisse fressen. Nach dem letzten Frost dürfen die Pflanzen dann in den Garten. "Wenn sie gekeimt haben, vertragen sie es auch kühler", erläutert Streicher. Ein sonniger Platz mit nährstoffreichem Boden ist optimal. Mindestens drei Monate brauchen die meisten Kürbisse zum Reifen.

Holziger Stengel

Wer sich den Kürbis vom Markt oder aus dem Supermarkt besorgt, sollte darauf achten, dass er noch einen Stengel hat, rät Helga Billerbeck. Die Hauswirtschaftsleiterin hat gemeinsam mit der Hobby-Fotografin Sigrid Voß-Schalkalwies ein Kürbis-Kochbuch geschrieben. Hat ein Kürbis keinen Stengel mehr, kann er von innen schnell schlecht werden, sagt sie. Außerdem sollte der Stengel holzig sein, nicht grün - das sei ein Zeichen dafür, dass der Kürbis reif ist.

Am besten lagere man die Frucht trocken, etwas kühl und dunkel: "Im Schlafzimmer auf dem Kleiderschrank" - so habe es früher immer geheißen, erklärt Billerbeck. "Und immer auf die Seite legen." Sonst könne sich am Stengel Feuchtigkeit sammeln. Winterkürbisse seien in der Regel bis über den Winter hinaus haltbar. Die Sommersorten sollten am besten zeitig nach der Ernte gegessen werden.

Für die Zubereitung rät Schöner, besonders große Exemplare auf den Boden fallen zu lassen. "Dann zerbricht der in zwei Hälften" - und das Schneiden und Schälen gehe leichter. Bis auf die Sommersorten und den Hokkaido müssen alle Kürbisse geschält werden. Den Kürbis danach am besten dämpfen, bis er gar ist. Wer nicht das passende Gerät dafür zur Hand hat, kann ihn auch in wenig Wasser kochen. Kürbisse seien schneller gar als zum Beispiel Kartoffeln, sagt Schöner. Zwischen 10 bis 20 Minuten brauchen sie.

Für einige Gerichte fällt das Vorkochen weg: Kleinere Sorten wie Sweet Mama oder Futsu Black Rinded können in Scheiben geschnitten und von beiden Seiten gebraten oder im Ofen gegart werden, gibt Loock ein Beispiel. Dann würzen, Kräuterquark dazu - fertig. Auch als Füllung müssen die Kürbisstücke nicht vorgegart werden: Billerbeck nimmt die Frucht gerne zum Füllen eines Bratens - dann wird beides zusammen im Ofen fertig gegart.

Der Spaghetti-Kürbis ermöglicht ganz eigene Varianten. Sein Fleisch bestehe aus lauter Spiralen, beschreibt es Loock. Man könne ihn einfach kochen und anschließend mit einem Löffel die Kürbisspaghetti herausschaben. Mit Kürbiskernpesto und Parmesan lassen sich die Spaghetti mit Löffel und Gabel aufrollen wie die Nudelversion. Ein tolles Gericht für Besuch sei eine Kürbissuppe in Anlehnung an ein Rezept des französischen Kochs Paul Bocuse, sagt Loock. Dafür schneidet man das obere Stück ab, löffelt die Kerne aus dem Inneren, lässt das Fleisch aber drin. Als nächstes gießt man Gemüsebrühe hinein, etwas Sahne, Käse, Salz, Pfeffer und Ingwer kommen hinzu. Dann kommt der Kürbisdeckel wieder drauf und die Frucht in den Ofen - für etwa eine Stunde bei 180 Grad. Nach dem Garen das Fleisch vorsichtig vom Rand schälen und mit dem restlichen Inhalt pürieren.

Zum Backen eignet sich der Kürbis ebenfalls: zum Beispiel im Brot. Entweder raspelt man einen rohen Kürbis oder gart und püriert ihn, bevor er zum Teig hinzukommt, erläutert Billerbeck. "Das macht das Brot farbiger und saftiger." Zum Kaffee kommt bei Loock manchmal ein Kürbisstrudel auf den Tisch: Mit Äpfeln, gehackten Nüssen und Schmand bereitet sie den Strudel zu - als Kürbis kommt der Ungarische Blaue Bratkürbis infrage.

Geteilter Meinung

Schöner lehnt den Kürbis für Süßspeisen ab - dafür habe er zu wenig Eigengeschmack, findet sie. "Seine Qualität kommt im Gemüsegericht zu tragen." Billerbeck und Loock sehen das nicht so eng: "Eigentlich ist er problemlos", sagt Billerbeck. Und für alles einsetzbar - ob nun in Gebäck, Suppen, Marmeladen, Chutneys, als Füllung für Fleisch oder als Zutat für Auflauf, Risotto und Salat.

Außerdem machten ihn seine Inhaltsstoffe zum Multitalent. Der Kürbis sei sehr nitratarm und auch für Menschen mit einem empfindlichen Magen-Darm-System geeignet, sagt Billerbeck. Und er habe mehr Vitamin A als eine Möhre. Wenig Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate stehen außerdem auf der Liste der Vorzüge. Ein weiterer Pluspunkt: Langes Lagern wirkt sich nicht negativ aus. "Die Kürbisfleischqualität verändert sich fast nicht", sagt Schöner.
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