Produktionsstopp für VW Golf
Volkswagen und Zulieferer wollen weiter verhandeln

Produktion des Golf VII im Volkswagen-Werk in Wolfsburg: Ab heute stehen hier die Bänder still, mindestens bis zum kommenden Wochenende. Grund ist ein Streit des Konzerns mit zwei Zulieferfirmen. Bilder: dpa
 
"Hier läuft ein ganz mieses Spiel." Zitat: Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef

... wenn der Lieferant es will: Der heftige Krach mit zwei Zulieferern hat die Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf lahmgelegt. Ab heute wollen beide Seiten wieder nach einer Lösung suchen.

Wolfsburg/Berlin. Am Samstag hatte Europas größter Autokonzern das Herunterfahren der Golf-Fertigung im Stammwerk Wolfsburg vorbereitet. Ab heute fallen dort bis einschließlich zum kommenden Samstag, 27. August, die Schichten aus. Auch die Montage des Golf und Passat in Zwickau ist betroffen.

Der Grund sind fehlende Getriebeteile und Sitzbezüge der Lieferanten ES Automobilguss und Car-Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören (wir berichteten). Zwischen den Firmen und VW tobt ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. In der Nacht zum Samstag hatten beide Seiten ihre Verhandlungen unterbrochen, am Montag wollen sie diese fortsetzen.

Neben der Auseinandersetzung in der Sache gab es unterschiedliche Darstellungen zum Ablauf der Gespräche. Aus Kreisen der Zulieferer hieß es, VW habe eine Marathonverhandlung über das komplette Wochenende abgelehnt. Die Wolfsburger wiesen dies scharf zurück und betonten, man habe in gegenseitigem Einvernehmen besprochen, an diesem Montag weiterzureden.

VW hatte mitgeteilt, den Kontakt zu Prevent nicht abreißen lassen zu wollen: "Wir arbeiten nach wie vor an einer Einigung." Der Konzern kündigte aber zugleich an, notfalls alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um an die dringend benötigten Teile zu kommen. Prevent hatte ebenfalls Bereitschaft signalisiert: "Wir streben nach wie vor eine einvernehmliche Lösung mit VW an und sind offen für entsprechende Vorschläge." Die Zulieferer wiesen eine Verantwortung an der Entwicklung zurück und gaben dem Autoriesen die Schuld.

Streit um Sitzbezüge?


Viele Hintergründe des Streits sind unklar. Aus Sicht von ES und Car-Trim ist er Folge einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen durch VW. Der Konzern habe keinen Ausgleich dafür gewährt. Deswegen "sahen sich Car-Trim und ES Automobilguss letztlich zum Lieferstopp gezwungen", hieß es. Nach Medieninformationen soll es um eine ausgesetzte Zusammenarbeit bei Bezügen von Ledersitzen für den VW Touareg und Porsche Cayenne gehen. Dies sei nicht rechtens gewesen, habe Car-Trim argumentiert und Schadenersatz in zweistelliger Millionenhöhe verlangt. Ein Teil der Forderungen wurde demnach dann auf das Prevent-Unternehmen ES übertragen, wodurch es auch bei den Getriebeteilen zu einem gefährlichen Engpass kam. Ähnliche Angaben lagen der Deutschen Presse-Agentur vor - darunter die Dokumentation einer offenen Rechnung von ES an VW in China.

In Wolfsburg prüfte Volkswagen unterdessen Kurzarbeit, auch für die Standorte Braunschweig, Zwickau und Kassel wird dies erwogen. Im Passat-Werk Emden wurde schon für 7500 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Die Bänder der in Wolfsburg hergestellten Tiguan und Touran laufen weiter. Auf das Getriebe-Werk in Kassel sollte der Konflikt mit Prevent nach Angaben eines VW-Sprechers noch keine Auswirkungen haben: "Wir planen für Montag keine Kurzarbeit und haben auch noch keine beantragt."

Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies will in dem Streit vermitteln. Der SPD-Politiker sagte dem NDR: "Wenn sich das lange hinzieht, mag ich über die Auswirkungen ... gar nicht nachdenken." Der Schaden würde sich mit jedem Tag vergrößern, warnte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Sollten die Verhandlungen scheitern, müsse mehr Druck her: "Dann wird man auch Zwangsmaßnahmen aufnehmen müssen."

Weitere Stopps geplant


Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verurteilte den Lieferstopp. "Hier läuft ein ganz mieses Spiel", sagte er der "Bild"-Zeitung. Das Blatt berichtete zudem über geplante Auszeiten in der Golf-Fertigung vom 4. bis 7. Oktober sowie vom 19. bis 22. Dezember. Diese hätten aber nichts mit dem aktuellen Lieferstreit, sondern mit einer geringeren Nachfrage infolge der Abgas-Krise zu tun. VW betonte, es handle sich um ein Ergebnis der üblichen Produktionsplanung - die Tage lägen überdies in den Herbstferien und kurz vor Weihnachten. Entscheidend sei stets die Auslastung über das Gesamtjahr. So habe man etwa in den Sommer-Werksferien wegen der guten Nachfrage "durchproduziert".

Hier läuft ein ganz mieses Spiel.Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef
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