Prokon künftig Genossenschaft

Die Sonne scheint für Prokon: Das insolvente Windenergie-Unternehmen wird nicht an den Energiekonzern EnBW verkauft, sondern wird eine Genossenschaft. Bild: dpa

Nach einem harten Kampf um die Stimmen der Anleger muss sich der Energiegigant EnBW den Freunden von Prokon geschlagen geben. Die Anleger wollen die Firma als Genossenschaft weiter betreiben.

Die Gläubiger der insolventen Windenergie-Firma Prokon haben sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, das Unternehmen als Genossenschaft fortzuführen. Bei der Gläubigerversammlung am Donnerstag in Hamburg stimmten rund 80 Prozent des vertretenen Anlegerkapitals für das Genossenschaftsmodell, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin mit. Falls keine Einsprüche eingehen, werde der von den Gläubigern beschlossene Insolvenzplan in zwei Wochen rechtskräftig und das Insolvenzverfahren zum 31. Juli oder 31. August aufgehoben.

Ein Kaufangebot des Energieversorgers EnBW über 550 Millionen Euro wurde nicht mehr zur Abstimmung gestellt, nachdem sich die Mehrheit der Gläubiger für die genossenschaftliche Lösung ausgesprochen hatte. Für den Karlsruher Konzern ist das ein herber Rückschlag, nachdem er sich sehr intensiv um die Zustimmung der Anleger bemüht hatte. "Wir bedauern natürlich diese Entscheidung, denn Prokon und EnBW hätten gut zusammengepasst und gemeinsam die Windkraft in Deutschland noch stärker voranbringen können", sagte EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux. "Aber wir haben auch großen Respekt für die Verbundenheit der Genussrechtsinhaber mit Prokon, die darin zum Ausdruck kommt."

Verlust von über 40 Prozent

Bei der Gläubigerversammlung waren 2144 stimmberechtigte Beteiligte anwesend, die insgesamt mehr als 40 000 Gläubiger vertreten haben. Das entsprach einem Kapital von 1,056 Milliarden Euro, von denen 843 Millionen Euro für die Genossenschaft stimmten. Auch in den anderen der insgesamt acht Gläubigergruppen erreichte der Vorschlag die Mehrheit der Köpfe und des Kapitals. Die Insolvenzquote steht noch nicht fest; sie wird vom Insolvenzverwalter auf der Grundlage von Prognosen mit 57,8 Prozent angenommen. Das bedeutet, dass mehr als 40 Prozent des Anlagekapitals und anderer Forderungen verloren sind.

Über Prokon war 2014 ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das Unternehmen hatte sich mit hochverzinslichen Genussscheinen von rund 75 000 Anlegern finanziert und konnte die Papiere nicht mehr zurücknehmen. Gegen Prokon-Gründer Carsten Rodbertus ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.
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