Provisionen sorgen für Kritik an Sparkassen

Anlageberatung ist bei den meisten Banken kostenlos. Finanziert wird das auch über Provisionen etwa von Anbietern, deren Fonds die Banken verkaufen. Das ruft abermals Verbraucherschützer auf den Plan.

Die Sparkassen wollen Vermittlungsprovisionen von Fondsanbietern behalten und nicht an ihre Kunden weitergeben. Um diese gängige Praxis abzusichern, ändern die Institute derzeit ihre Geschäftsbedingungen. Das teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband am Dienstag mit.

"Massiver Eingriff"

Verbraucherschützer warfen den Sparkassen vor, die Kunden um Geld zu bringen, dass ihnen zustehe. Wer nicht rechtzeitig widerspreche, verliere seinen Anspruch. "Die Sparkassen greifen damit massiv in das bestehende Vertragsverhältnis ein", kritisierte Dorothea Mohn, Finanzexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, gemeinsam mit der Stiftung Warentest. "Sie weichen von gesetzlichen Regeln ab und all das, ohne ihre Kunden aktiv um Zustimmung zu bitten."

In der Regel sollen die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen vom 15. April an gelten. Die Verbraucherschützer raten zum schriftlichen Widerspruch bis spätestens 14. April. Wer nichts unternimmt, akzeptiert die Änderung. Damit verzichten Betroffene aber auf alle Provisionen auch in der Zukunft. In diesem Fall sollten Kunden nach Ansicht der Verbraucherschützer zumindest darauf hinwirken, dass die Höhe der Zuwendungen am Ende jeder Beratung in Euro ausgewiesen wird und dass sie einen jährlichen Bericht bekommen über die Bestandsprovisionen.

Mit den Vertriebsvergütungen von Drittanbietern wie etwa Fondsgesellschaften finanzierten die Sparkassen ihre Beratung, sagte Sprecher Alexander von Schmettow. "Die Sparkassen sind darauf angewiesen." Ohne das Geld müssten ihre Anlageberater Honorare von den Kunden verlangen. Die Vergütungen einzubehalten ist bei den meisten Geldhäusern üblich. Das bestätigte auch der Bundesverband deutscher Banken und der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Verbraucherzentrale sieht das als rechtlich strittig an und verweist darauf, dass eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs noch ausstehe.

Die Volks- und Raiffeisenbanken widersprechen: Sie dürften die Vergütungen behalten, um die Beratung zu finanzieren, sagte Sprecher Steffen Steudel. Strittig sei nur, wie die Kunden darüber zu informieren seien. Die entsprechenden Geschäftsbedingungen der Deutschen Bank hatte der Bundesgerichtshof 2014 gebilligt und die Beschwerde der Verbraucherzentralen abgewiesen.

"Grundsatzfrage"

Im Fall der Sparkassen stört die Verbraucherschützer vor allem, dass die Kunden den neuen Geschäftsbedingungen nicht explizit zustimmen müssen. Finanzexpertin Mohn empfiehlt den Widerspruch, auch wenn die Bank daraufhin das Depot kündige oder damit drohe. Die Sparkassen betonen: "Es geht um die Grundsatzfrage: Wollen wir weiter eine provisionsbasierte Beratung, für die die Kunden nichts bezahlen müssen?" Der Bankenverband hatte erst vorige Woche hervorgehoben, nur damit seien alle Bevölkerungsschichten in der Fläche erreichbar. "In Deutschland nehmen die Kunden die Honorarberatung einfach kaum an."
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