Quandts lösen Aldi-Familie ab

Selbst der Telekom-Chef kritisiert die Vermögensunterschiede. Möglicherweise ist auch er gegenüber den Superreichen im Hintertreffen. Die reichsten 100 Deutschen haben knapp 19 Prozent mehr verdient.

(dpa/epd) Die Quandts haben nach Berechnungen des "Manager Magazins" die Aldi-Eigner als reichste deutsche Familie abgelöst. BMW-Erbin Susanne Klatten sowie deren Bruder Stefan Quandt und Mutter Johanna Quandt sollen ein Vermögen von 31 Milliarden Euro besitzen. Insgesamt sei das Vermögen der reichsten 100 Deutschen in den vergangenen zwölf Monaten dank Börsenentwicklung und hoher Unternehmensgewinne um knapp 19 Prozent auf fast 400 Milliarden Euro gewachsen.

Schere auseinander

Dieser Zuwachs provoziert. Telekom-Chef Timotheus Höttges kritisiert die zunehmenden Vermögensunterschiede. "Wenn einige wenige riesige Vermögen anhäufen, die nicht mehr in die Realwirtschaft fließen, führt diese Ungleichheit zu Ungerechtigkeit", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Das Geld werde für den Konsum benötigt, um Wachstum anzukurbeln. "Mein Eindruck ist, dass die Schere bereits zu weit auseinandergegangen ist." In Deutschland befindet sich inzwischen etwa ein Drittel des Vermögens im Besitz von einem Prozent der Bevölkerung, die obersten zehn Prozent der Bevölkerung verfügen über die Hälfte des Gesamtvermögens. Die Reallöhne der Arbeitnehmer seien zwischen 2000 und 2013 gesunken.

"Ungerecht finde ich, wenn Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können", sagte Höttges. Er ist einer der wenigen deutschen Unternehmenschefs, die sich zum Thema Gerechtigkeit und Ungleichheit äußern. Die "Frankfurter Rundschau" hatte Ende Juli die Chefs der 80 größten börsennotierten deutschen Unternehmen angeschrieben, um sie zu dem Thema zu befragen.

Erstmals seit zehn Jahren belegten die Mitglieder der Albrecht-Familien als Eigentümer der Discountketten Aldi Süd (Rang zwei mit 18,3 Milliarden Euro) und Aldi Nord (Rang vier mit 16,5 Milliarden Euro) nicht mehr die ersten Plätze, schreibt das "Manager Magazin". Auf Platz drei vorgeschoben hätten sich mit einem Vermögen von 17,6 Milliarden Euro Georg und Marie-Elisabeth Schaeffler, die Eigentümer des gleichnamigen Autozulieferers. Nach "Manager-Magazin"-Angaben ist mit Lidl-Gründer Dieter Schwarz (14,5 Milliarden Euro) eine weitere Discounter-Größe in diesem Jahr der fünftreichste Deutsche.

Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in Düsseldorf kommt zum Ergebnis, dass sich privater Reichtum in Deutschland verfestigt hat. Ebenso wie Armut habe auch dieser über die vergangenen zwei Jahrzehnte deutlich zugenommen, erklärte das Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Der Anteil der Menschen, die reich oder sehr reich sind, liege heute um ein gutes Drittel höher als Anfang der 90er Jahre.

Auch mehr Topverdiener

Galten 1991 noch 5,6 Prozent aller Menschen wegen ihres verfügbaren Haushaltseinkommens - dazu zählen etwa Gehälter, Zinsen auf Kapitalvermögen, Mieteinnahmen sowie staatliche Leistungen wie Kindergeld - als reich oder sehr reich, waren es im Jahr 2011 bereits 8,1 Prozent. Wer einmal reich sei, müsse kaum den "Abstieg" in das Einkommen der Mittelschicht fürchten, erklärten Dorothee Spannagel und Sven Broschinski von der Universität Oldenburg als Verfasser der Studie. (Kommentar)
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