Quo vadis, Deutsche Bank?

Die Deutsche Bank lässt ihre Aktionäre über eine neuerliche Untersuchung ihrer Geschäftspraxis abstimmen. Derweil streiken 260 Filialen der Konzerntochter Postbank.

Die Hauptversammlung wird am 21. Mai über die Einsetzung eines unabhängigen Sonderprüfers entscheiden, wie aus am Freitag veröffentlichten Unterlagen des Instituts hervorgeht. Die Bank ergänzte damit die ursprüngliche Tagesordnung um einen entsprechenden Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Anlegerschützer hatten dafür nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen Unterstützung von privaten als auch institutionellen Aktionären bekommen.

Die Anlegerschützer wollen von dem externen Prüfer unter anderem untersuchen lassen, ob die Rückstellungen der Bank für die laufenden Rechtsverfahren und drohenden Vergleichszahlungen in Milliardenhöhe ausreichend sind. Zudem soll festgestellt werden, ob die neuen Kontrollmechanismen genügen, um neue Skandale wie etwa die Manipulation von Referenzzinssätzen wie dem Libor auszuschließen.

Belastende Vergangenheit

Wegen zahlreicher windiger Geschäfte in der Vergangenheit musste sich die Deutsche Bank immer wieder Sonderkontrollen von Aufsichtsbehörden stellen. Zu Jahresbeginn hatte der oberste Bankenaufseher bei der Finanzaufsicht Bafin, Raimund Röseler, den Banken insgesamt eine harte Null-Toleranz-Politik gegen neue Verfehlungen bescheinigt.

Unterdessen hat Verdi die Streiks bei der Postbank auf weitere Bundesländer ausgeweitet. Am Freitag legten Mitarbeiter der Deutsche-Bank-Tochter in Nordrhein-Westfalen in vielen Filialen die Arbeit für drei Tage nieder. Am Montag folgen Baden-Württemberg und Berlin-Brandenburg. Aktuell wird auch in Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie zum Teil in Bayern gestreikt. Laut Post blieben am Freitag bundesweit 260 von 1100 Filialen geschlossen.

Hintergrund der Postbankstreiks ist der Tarifkonflikt um eine Verlängerung des Kündigungsschutzes für die rund 10 000 Tarifbeschäftigten bis 2020. Das Post-Management hat die Forderung bislang strikt abgelehnt. Nachdem Verdi die Verhandlungen für gescheitert erklärt und die Beschäftigen sich in einer Urabstimmung für einen Erzwingungsstreik ausgesprochen hatten, wird die Postbank seit Montag von einer Streikwelle erfasst.

Protest vor Mutterkonzern

Mit Trillerpfeifen protestierten Beschäftigte der Postbank am Freitag vor der Postbank-Zentrale in Bonn und den Toren der Deutschen Bank in Frankfurt. Bei deren Aufsichtsratssitzung sollte über die künftige Strategie des Geldhauses entschieden werden. Optionen sind dabei ein Verkauf der Postbank oder die Abspaltung des Privatkundengeschäfts.

Seit Wochen wird in den Medien über die Zukunft der Postbank spekuliert. Mit 14 Millionen Kunden und 14 800 Mitarbeitern ist das Unternehmen das größte auf Privatkunden spezialisierte Bankinstitut in Deutschland. Die Deutsche Bank hält heute einen Anteil von 94 Prozent an dem Unternehmen.
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