Quote fällt nach 31 Jahren weg - BDM sieht Existenzgefahr für kleinere Höfe
Milchbauern befürchten sinkende Preise

Nach dem Wegfall der EU-Milchquote sehen Bauern neue Risiken und Chancen. Milcherzeuger und Molkereien müssten sich darauf einstellen, dass die Preise zukünftig stärker schwanken, teilte der Bauernverband am Dienstag in Berlin mit. Ab heute gebe es aber auch mehr unternehmerische Entscheidungsfreiheit, bisherige Kosten der Quote würden gespart. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) fürchtet, dass die Produktion ausgeweitet wird und die Preise für Erzeuger weiter sinken. Der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber sagte, derzeit sei Rohmilch so billig, dass die Kosten nicht gedeckt würden. Weiter sinkende Preise gefährdeten die Existenz kleinerer Höfe.

Die Mengenbegrenzung über Quoten war 1984 als Schutzmechanismus eingeführt worden und lief am 31. März aus. Die Milchquote sollte eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen. Nach Einschätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums hat sie die Einkommen der Milchbauern jedoch nicht stabilisiert. Stattdessen schwankten die Preise für Rohmilch in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 20 Cent je Kilo. Die Zahl der Milcherzeuger in Deutschland sank seit 1984 von 369 000 auf 77 000. Abgeschafft wird die Quote nun, weil die Nachfrage nach Milch weltweit steigt und Europas Bauern von diesen Exportchancen profitieren sollen. Die Grünen warnten, niedrige Milchpreise könnten Betriebe ruinieren. Am Ende würden die Milchbauern einen Weg gehen, den man schon bei der Schweine- oder Hühnermast gesehen habe, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. "Nämlich, dass wir im Grunde nur noch Riesenställe haben und die bäuerliche Landwirtschaft in dem Bereich verschwindet." Der Bund für Umwelt und Naturschutz fürchtet, Milcherzeuger gerieten unter zusätzlichen Preisdruck und die Tierhaltung werde in immer größeren Ställen konzentriert. Die CSU-Agrarpolitikerin Marlene Mortler nannte es richtig, die Quote jetzt auslaufen zu lassen. "Sie ist zu einer einseitigen Belastung der europäischen Milchbauern geworden." Die Bundesregierung müsse sich in Brüssel weiter für Erhalt und Ausbau des Sicherheitsnetzes für die Milchbauern bei extremen Marktkrisen einsetzen.
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