Razzia bei VW: Staatsanwälte durchsuchen Gebäude und Wohnungen - US-Chef vor ...
Akten und Computer einkassiert

Michael Horn, Chef der Volkswagen Group of America, legte am Donnerstag vor dem US-Kongress einen Eid ab. Er sagte aus, erst vor wenigen Wochen von den Manipulationen erfahren zu haben. In Deutschland wurden unterdessen VW-Büros bei einer Razzia durchsucht. Bild: dpa
Die Abgas-Affäre bei Volkswagen zieht immer weitere Kreise: Bei einer groß angelegten Razzia hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Donnerstag in Wolfsburg und anderen Orten Akten und Computer sichergestellt. Es seien sowohl Geschäftsgebäude des Konzerns als auch Privatgebäude sowie Wohnungen von VW-Mitarbeitern durchsucht worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Alle Orte befänden sich im Zuständigkeitsbereich der Behörde. Dieser reicht von Wolfsburg im Norden bis zum Harz im Süden.

Unterlagen sichergestellt

Neben drei Staatsanwälten seien rund 50 Einsatzkräfte des Landeskriminalamts im Einsatz gewesen, sagte die Sprecherin. Ziel der Durchsuchungen sei es, Unterlagen und Datenträger sicherzustellen, die mit Blick auf "in Betracht kommende Straftatbestände" Auskunft über die Vorgehensweise der an der Manipulation der Abgaswerte von Dieselfahrzeugen beteiligten Firmenmitarbeiter und deren Identität geben könnten, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. "Wir werden die Staatsanwaltschaft bei der Ermittlung des Sachverhaltes und der verantwortlichen Personen nach besten Kräften unterstützen", sagte ein VW-Konzernsprecher der dpa. Die Ermittlungen dienten schließlich "einer unverzüglichen und vollständigen Aufklärung, an der Volkswagen hohes Interesse hat." Im VW-Stammwerk in Wolfsburg sei den Ermittlern eine Dokumentensammlung übergeben worden. Volkswagen selbst hatte am 23. September Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Europas größter Autokonzern hatte vor drei Wochen eingeräumt, in Dieselfahrzeuge ein Computerprogramm eingebaut zu haben, mit dem die Abgaswerte manipuliert werden können.

Aussagen unter Eid

Volkswagens US-Chef Michael Horn hat nach eigener Aussage vor wenigen Wochen von gezielten Manipulationen des Autobauers bei Abgasmessungen erfahren. "Ich hatte keine Kenntnis davon, dass es ein 'Defeat Device' in unseren Autos gab", sagte er am Donnerstag unter Eid bei einer Anhörung im US-Kongress. Erst kurz vor einem Treffen mit der US-Umweltbehörde am 3. September sei er über die Installation der "Defeat Device" genannten Software zum Austricksen der Abgastests informiert worden. Horn hatte zuvor erklärt, im Frühling 2014 von möglichen Verstößen gegen US-Emissionsregeln erfahren zu haben. Weiter sagte Horn, der Einbau der Software sei keine Unternehmensentscheidung gewesen. Laut NDR und WDR hat VW eingeräumt, die Steuerung zahlreicher Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 könne auch den europäischen Prüfzyklus NEFZ erkennen.
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