Rekordverlust vor Aufspaltung

Der Strompreisverfall an der Börse drückt den größten deutschen Energiekonzern Eon tief in die roten Zahlen. Zur Aufspaltung in zwei unabhängige Konzerne gebe es laut der Unternehmensleitung keinen "Plan B". Bild: dpa

Der Energieriese Eon muss historische Verluste verkraften. Trotzdem will Vorstandschef Teyssen Kurs halten: Der Konzern wird in zwei Teile aufgespalten, am Strompreis soll sich nichts ändern - vorerst.

Der Absturz der Börsen-Strompreise und das billige Öl haben den Energiekonzern Eon tief in die roten Zahlen gedrückt - die Kunden sollen aber vorerst nicht stärker zur Kasse gebeten werden. Allein im dritten Quartal häufte der größte deutsche Versorger einen Rekordverlust von rund 7 Milliarden Euro an, so viel wie noch nie. Für die ersten neun Monate 2015 steht ein Fehlbetrag von knapp 5,7 Milliarden Euro in der Bilanz, teilte Eon am Mittwoch mit. Grund dafür seien hohe Wertberichtigungen auf die Gas- und Kohlekraftwerke sowie auf Öl- und Gasförderprojekte. Trotz der enormen Buchverluste will Eon die Endverbraucher-Preise zunächst nicht erhöhen. "Wir halten die Strompreise über den Jahreswechsel hinaus stabil", versichert Finanzchef Michael Sen den sechs Millionen Kunden in Deutschland. Auch Konkurrent RWE kündigte an, die Preise vorerst nicht anzuheben.

An Dividende festhalten

Der Konzern will seinen Aktionären für das laufende Geschäftsjahr weiter 50 Cent Dividende zahlen. Dies sei ein klares Signal der Stärke an die Eigentümer, sagte Sen. Eon hält an seiner Aufspaltung in einen "grünen" Hauptkonzern und in die Kraftwerkssparte Uniper fest. Die Trennung gehe auf die Zielgerade, meinte Sen: "Das sind zwei Energiewelten. Beide Unternehmen sind besser aufgestellt, wenn sie unabhängig agieren." Eon habe keinen "Plan B". Laut Vorstandschef Johannes Teyssen ist die Aufteilung der 57 000 Eon-Mitarbeiter auf die beiden Firmen fast abgeschlossen. Uniper soll 2016 an den Start gehen. Im Juni muss die Hauptversammlung noch zustimmen.

Zuletzt hatte Eon allerdings einen empfindlichen Rückschlag für seine Pläne einstecken müssen. Das Atomgeschäft wird auf politischen Druck nicht wie vorgesehen zu Uniper verlagert, sondern bleibt bei Eon selbst. Kritiker sehen damit den Sinn der Konzernaufspaltung infrage gestellt. Sen betonte erneut, dass es kein Ziel des Projektes sei, Atomlasten loszuwerden. Eon betreibt drei Kraftwerke und ist an drei weiteren beteiligt.

Eons operativer Gewinn (Ebitda) ging von Januar bis September um 18 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro zurück. Allein in der klassischen Stromerzeugung sackte der Ertrag um ein Drittel ab. Dennoch hielt der Vorstand an seiner Jahresprognose fest. Demnach soll der operative Gewinn von 8,3 (2014) auf 7,0 bis 7,6 Milliarden Euro fallen. Eon hofft, den knapp 1,5 Milliarden Euro schweren Verkauf der Öl- und Gasquellen in der Nordsee an die Deutsche Erdöl AG in den nächsten Wochen abzuschließen.
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