Rettendes Geld vom Oligarchen

Als "Meilenstein" bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Peter Terium, den Verkauf der Tochterfirma Dea an den russischen Oligarchen Michail Fridman. Einige Fragen bleiben aber offen. Archivbild: dpa

Monatelang wurde bei RWE gezittert. Jetzt ist der Verkauf der Tochter Dea besiegelt. Milliarden Euro fließen von einem russischen Investoren auf die Konten der Essener. Der Konzern braucht das Geld dringend.

Der hochverschuldete Energiekonzern hat den Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea (siehe Infokasten) an den russischen Oligarchen Michail Fridman abgeschlossen. Der Preis liege auf Basis aktueller Währungskurse bei rund 5,1 Milliarden Euro und damit leicht höher als bei der Verkaufsvereinbarung Mitte Januar zunächst angepeilt. Das teilte der Konzern am Montag in Essen mit. Die Erleichterung im Unternehmen war groß. Vorstandschef Peter Terium sprach von einem "Meilenstein".

RWE hat derzeit mehr als 30 Milliarden Euro Schulden. Der Erlös aus dem Dea-Verkauf soll im wesentlichen in deren Tilgung fließen. RWE Dea gilt als Ertragsperle: Bei 2,1 Milliarden Euro Umsatz lag das Betriebsergebnis 2013 bei 524 Millionen Euro.

Britische Bedenken

Bis zuletzt hatten Bedenken der britischen Regierung wegen der Krise um Russland und die Ukraine das Geschäft infrage gestellt. Die Dea-Felder liegen zum Teil im britischen Gebiet der Nordsee. Hintergrund der Haltung Londons sind Sorgen über die Auswirkungen, die mögliche künftige Sanktionen gegen die russische Letter-One-Gruppe Fridmans auf den Betrieb der Felder haben könnten. Ernste Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltrisiken könnten die Folge sein, hatte die britische Regierung ihre Bedenken begründet. Nun bleibt immerhin ein kleines Fragezeichen übrig. "Nur wenn innerhalb des ersten Jahres nach dem Vollzug die EU oder die USA Sanktionen gegen die Letter-One oder deren Eigner verhängen sollten, ist RWE zum Rückerwerb des UK-Geschäfts verpflichtet", hatte RWE am Wochenende in einer Börsenmitteilung erklärt. Offizielle Bedenken der deutschen Regierung gegen das Geschäft gibt es nicht. Der Anteil von Dea an der Gesamtversorgung der Bundesrepublik - innerdeutsche Förderung einschließlich Bezug von außen - liegt nur bei etwa 1 Prozent für Öl und 2 Prozent für Gas.

Vorwurf: Zu spät reagiert

Der Verkauf von Dea bedeutet für RWE zwar den Verlust eines stabilen Ertragsbringers. Strategisch gesehen sei es jedoch kein Rückschlag, wie das Unternehmen immer wieder betonte. Ende der 1980er Jahre war RWE bei Dea eingestiegen, um sich einen sicheren Zugang zu Gas für seine Kraftwerke und anderen Abnehmer zu verschaffen. Das ist heute nicht mehr nötig. Es gibt weltweit mehr Pipelines, mehr Gashandel und absehbar in den kommenden Jahren auch mehr Flüssiggas-Transporte mit großen Spezialschiffen.

Die Gas- und Ölförderung erfordert außerdem Milliardeninvestitionen. Allein 2012 und 2013 waren es jeweils fast 700 Millionen Euro für Dea - Summen, die RWE wegen des abgestürzten Börsen-Strompreises und seiner hohen Verschuldung nun nicht mehr übrig hat. Der Schuldenabbau auf rund 25 Milliarden Euro könnte Deutschlands zweitgrößten Energieversorger von hohen Zinslasten befreien und die Position am Kapitalmarkt verbessern, hieß es aus Firmenkreisen. Die Essener sehen sich immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, zu spät und mit zu wenig Kapital in die Energiewende investiert zu haben.
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