Risiken über Risiken
Weltwirtschaft steuert in unsichere Zeiten

Die Weltwirtschaft lahmt. China und die Schwellenländer befinden sich auf Schlingerkurs, die Ölexporteure leiden, in den USA drückt der starke Dollar. Unklar sind auch die Folgen der Flüchtlingskrise.

London/Davos. Die Weltwirtschaft verliert nach der neuen Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds weiter an Schwung. "Die Wachstumserwartungen scheinen stetig zu sinken", sagte der Chefökonom des IWF, Maury Obstfeld. Die Schwellen- und Entwicklungsländer, bisher Motor der Weltkonjunktur, lahmen, der niedrige Ölpreis und das Ende der Politik des billigen Geldes bei der US-Zentralbank Federal Reserve seien zusätzliche Risiken.

2015 sei die Weltwirtschaft nur um 3,1 Prozent gewachsen, heißt es in dem am Dienstag in London vorgelegten Bericht. Für 2016 sieht der IWF ein Wachstum von 3,4 Prozent. 2017 könnte es um 3,6 Prozent nach oben gehen, unter anderem, weil es bis dahin in den stotternden Volkswirtschaften der großen Schwellenländer Russland und Brasilien wieder etwas besser laufen könnte. Der IWF hat damit seine Prognose vom Herbst um 0,2 Punkte nach unten korrigiert. Für Deutschland sieht der Fonds ein Wachstum von jeweils 1,7 Prozent in den Jahren 2016 und 2017.

China schwächelt


Vor allem China mache der Konjunktur zu schaffen. Der IWF sieht das Wachstum bei 6,3 Prozent im laufenden Jahr und bei 6,0 Prozent 2017. 2015 war das Wachstum auf offiziell 6,9 Prozent zurückgegangen. Das teilte das Statistikamt am Dienstag mit. Im vierten Quartal 2015 war das Wachstum auf nur 6,8 Prozent im Vorjahresvergleich gesunken. Das war der niedrigste Quartalszuwachs seit Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008. Die Konjunkturschwäche trifft auch deutsche Exporteure. China ist wichtigster Abnehmer deutscher Maschinen und Nummer Vier der Handelspartner nach den USA, Großbritannien und Frankreich.

2015 stieg die Zahl der Arbeitslosen dem jüngsten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge auf 197,1 Millionen Menschen, knapp eine Million mehr als im Vorjahr. Das seien zudem 27 Millionen Arbeitslose mehr als vor der 2007 ausgebrochenen Finanzkrise, heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Bericht der UN-Sonderorganisation. Zugenommen habe die Arbeitslosigkeit vor allem in Lateinamerika und mehreren asiatischen Ländern, insbesondere in China. Auch in einigen erdölexportierenden arabischen Ländern habe sich die Beschäftigungslage verschlechtert. Positiv ist laut ILO hingegen die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Dort sei die Arbeitslosigkeit bei stabilem Wachstum weiter gefallen, "und die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter ist auf einen Höchststand gestiegen".

Schlechtere Stimmung


Unter Top-Managern weltweit hat sich die Stimmung in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert. Das geht aus einer beim Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht. Nur noch gut ein Viertel der Unternehmenslenker rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum. Vor einem Jahr waren noch 37 Prozent der Befragten optimistisch. Viele Manager befürchten, dass sich die Staaten künftig wieder stärker abschotten werden.

Zwiespältig ist die Stimmungslage unter deutschen Managern. 40 Prozent und damit sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr erwarten eine Belebung der Weltwirtschaft. Ein Viertel rechnet hingegen mit einer Verschlechterung, das ist doppelt so viel wie vor einem Jahr. Auch der Zustrom der Flüchtlinge nach Deutschland macht den Unternehmenslenkern zunehmend Sorgen. Die Angst vor gesellschaftlichen Spannungen ist in den vergangenen zwölf Monaten bei ihnen gewachsen. Darin sehen nun 57 Prozent eine Gefahr für die Wirtschaftsentwicklung. Vor einem Jahr waren es 28 Prozent.

ZEW-Index fällt


Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Januar eingetrübt. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel laut Mitteilung vom Dienstag um 5,9 Punkte auf 10,2 Zähler. Die Bewertung der aktuellen Lage stieg um 4,7 Punkte auf 59,7 Zähler.
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