Rückkehr der Kult-Konsolen

Der Super Nintendo kam 1990 in Japan auf den Markt. 1992 kam die Spielkonsole nach Europa, heute ist sie wieder sehr begehrt - vor allem bei Nostalgikern. Bilder: dpa

Wenn auf den Games-Messen die neusten Videospiele vorgestellt werden, geraten die meisten Spieler in Verzückung. Doch nicht alle: Retrospieler lässt das "neue Zeug" absolut kalt.

Enno Coners braucht kein Full-HD, um glücklich zu sein. Ihm reichen zum maximalen Spielspaß auch wenige Pixel aus. Retro-Computerspiele, nach seiner Definition alles, was älter als 20 Jahre ist, sind seine große Leidenschaft. Am liebsten spielt er auf dem Heimcomputer C64 aus den 80er Jahren. "Es ist mit der Liebe zu Oldtimern zu vergleichen", schwärmt er. "Ein altes Auto verliert nie seinen Reiz, genauso wenig wie alte Spiele und Computer."

Seine Leidenschaft für alte Heimcomputer und Konsolen hat Coners zum Beruf gemacht - als Herausgeber des "Retro Magazins". Während andere Spielemagazine über Playstation 4 und Xbox One schreiben, stehen dort C64 und Co. im Mittelpunkt. Damit hat er einen Nerv getroffen, denn Retrospiele erfreuen sich großer Beliebtheit.

Aufs Wesentliche reduziert

Der Großteil seiner Abonnenten ist zwischen 35 und 45 Jahre alt - also die Menschen, die mit Atari 2600, C64 und Amiga großgeworden sind. Aber auch jüngere Leser sind dabei, denn die alten Spiele und Konsolen sind längst Teil einer eigenen Kultur geworden, die auch Spieler in den Bann zieht, die diese Zeit nie erlebt haben. "Die ursprünglichen, einfachen Spiele sind immer noch sehr reizvoll, weil sie im Gegensatz zu den heutigen Spielen aufs Wesentliche reduziert sind", sagt er.

Maximilian Schenk vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware bestätigt den Trend zum Ur-Spiel auch bei jüngeren Spielern und Entwicklern. Für ihn zeigt dies die Wertschätzung für das Medium Videospiel. "Die Generation, die mit ihnen aufgewachsen ist, entdeckt die Computer- und Videospielkultur ihrer Jugend wieder."

So, wie es Oldtimer-Treffen gibt, treffen sich auch Retro-Gamer gerne, um sich auszutauschen und zu handeln. Jens Klöpfel ist Mitbegründer der Retro-Börse für klassische Videospiele. Er hat klare Trends ausgemacht, die sich mit der Zeit ändern. "Jede Generation liebt das, womit sie groß wurde. Im Moment ist die Generation Super Nintendo dran, demnächst kommt die Generation Dreamcast, Gamecube und PS2."

Da sich bislang jede Konsolen-Generation besser verkaufte als die Vorgänger, wächst auch der Stamm potenzieller Retrospieler, die zu ihren ersten Systemen zurückkehren. Wer selbst ins Retro-Gaming einsteigen möchte, kann je nach bevorzugtem System günstiger oder teurer davonkommen. Die Preise bei Retrospielen und -Konsolen richten sich stark nach der Verfügbarkeit, hängen aber auch davon ab, wie der Zustand ist und ob Originalverpackung und Zubehör vollständig sind.

Nur die Qualität zählt

Sehr gefragt und deshalb entsprechend teuer sind laut Klöpfel momentan der Super Nintendo, der 1992 in Europa auf den Markt kam, und der Sega Mega Drive von 1990. Gut erhaltene Exemplare kosten im Netzt schnell 100 Euro. Der einst begehrte Atari 2600 aus dem Jahr 1977 sei hingegen günstiger als noch vor ein paar Jahren. Als nächstes Trend-Gerät sieht er Segas Dreamcast-Konsole.

Damit Käufer der Konsolen-Veteranen keine bösen Überraschungen erleben, sind vertrauenswürdige Händler wichtig. "Viele sind selbst Sammler, für die die Qualität der Maschinen und Games Ehrensache ist", sagt Klöpfel. Käufer sollten besonders auf die Teile mit hohem Verschleiß achten. Bei neueren Konsolen ist das Disc-Laufwerk eine häufige Fehlerquelle, bei älteren sind es die Kontakte im Modulschacht.

Auch die Datenträger der alten Spiele haben ihre Schwachstellen. CDs verkratzen sehr leicht, Speichermodule können beschädigte Kontakte haben. Und ist die Batterie leer, kann auch nicht mehr gespeichert werden. Diese Fragen sollten noch vor dem Kauf geklärt werden, empfiehlt Klöpfel. Vom Kauf im Internet rät er ab - es sei denn, man kennt die Verkäufer persönlich.

Enno Coners meidet besonders große Internet-Auktionshäuser und kauft lieber privat unter Sammlern und auf Börsen. Wenn die Hardware funktioniert, sieht er fürs Retro-Gaming keine technischen Hindernisse.
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