Rukwied schwört Landwirte auf schwierige Zeiten ein
Bauern auf steinigem Weg

Joachim Rukwied. Bild: dpa
 
Joachim Rukwied (Mitte) und seine Stellvertreter: Wolfgang Vogel (links), Präsident des Sächsischen Bauernverbandes, Werner Schwarz (Zweiter von links), Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Hilse, Präsident des Landvolk Niedersachsen, und Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (rechts). Bild: dpa

Mit einer kämpferischen Rede hat Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Landwirte auf schwierige Zeiten eingeschworen. Zum Auftakt des Bauerntages fordert er Impulse und Signale von der Politik für die Zukunft der Branche.

Hannover. Bauernpräsident Rukwied sieht seine Branche zu Unrecht in der Kritik. Zum Auftakt des zweitägigen Deutschen Bauerntages in Hannover erklärte er in einer betont kämpferischen Rede: "Die Angriffe in letzter Zeit sind schärfer geworden." Sowohl Umweltverbände wie den Bund, aber auch den grünen Spitzenpolitiker Anton Hofreiter ging er unter dem Applaus der 600 Delegierten scharf an. Er warnte davor, die deutsche Landwirtschaft mitten in der Marktkrise durch ein immer enger werdendes Regulierungs-Korsett zu ersticken: "Wir brauchen keine Agrarwende - die deutschen Bauern wirtschaften nachhaltig." Sie hätten auch das Tierwohl im Blick.

Derzeit leiden Bauern etwa unter niedrigen Preisen und wegbrechenden Märkten. Gesunkene Weltmarktpreise und der russische Importstopp für EU-Agrarprodukte haben bei vielen Betrieben zu großen finanziellen Einbußen geführt. Betroffen sind vor allem Milchbauern, doch auch bei Schweinefleisch sowie bei Obst und Gemüse ist die Lage kritisch. Rukwied warnte: "Ein Land ohne Landwirtschaft hat keine Zukunft." Die Bauern bräuchten gerade in der Krise ermutigende Signale und Impulse, die zeigten, dass sie eine Zukunft hätten. "Wir haben viele Steine aus dem Weg zu legen", sagte der bisherige DBV-Präsident, bevor er mit 88,76 Prozent der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt wurde. Im DBV sind nach dessen eigenen Angaben etwa 300 000 deutsche Landwirte und ihre Familien organisiert. Als Rukwieds Stellvertreter wurden Walter Heidl aus Bayern (92,75 Prozent der abgegebenen Stimmen), der niedersächsische Landvolk-Präsident Werner Hilse (83,59 Prozent), der aus Schleswig-Holstein stammende Werner Schwarz (95,71) sowie der Sachse Wolfgang Vogel (75,49) gewählt.

Rukwied betonte, die Bauern dürften auch Respekt und Anerkennung erwarten. Er mahnte zugleich: "Wenn der Rahmen, den man uns setzt, immer enger wird, wird das nicht funktionieren." Zukunft für die deutsche Landwirtschaft bedeute auch den Export heimischer Agrarprodukte in Drittländer außerhalb der EU. Namentlich wandte er sich auch gegen Vorschläge des grünen Spitzenpolitikers Anton Hofreiter für eine Agrarwende. Unter dem Beifall der Delegierten hielt er ihm vor, von der Landwirtschaft nur wenig Ahnung zu haben.

Der Bauernverband hat in der Diskussion um Hilfen für notleidende Milchbauern die Forderung nach verordneten Mengenreduzierungen abgelehnt. "Wir brauchen keinen Staat oder Verband, der uns sagt, wie viel wir zu produzieren haben, das ist Aufgabe der Wirtschaft", sagte Udo Folgart, der Vorsitzende des Fachausschusses Milch beim Deutschen Bauernverband, bei einem Fachforum des Bauerntages. Diskussionen um allgemeinverbindliche Mengenreduzierungen seien "politische Geisterdebatten." Gleichwohl erneuerte er die Forderung nach kurzfristigen Unterstützungsmaßnahmen. Notwendig seien unter anderem Liquiditätshilfe- und Bürgschaftsprogramme.

"Mit Herz und Seele Landwirt"Joachim Rukwied hat nach dem Fachhochschul-Diplom 1994 in Eberstadt bei Heilbronn den Hof von seinen Eltern übernommen. Auf 290 Hektar baut er Rot- und Weißkohl, Getreide, Mais, Raps und Zuckerrüben an, auch Wein gehört dazu. "Ich bin nach wie vor mit Herz und Seele Landwirt", sagt Rukwied. Zur praktischen Arbeit kommt er aber nur noch an Wochenenden. Dann geht es zum Beispiel mit seinem Betriebsleiter hinaus in die Bestände. Im August, wenn es politisch etwas ruhiger werden dürfte, könnte noch mehr drin sein. "Da werde ich das eine oder andere Mal wieder mit dem Mähdrescher fahren oder Getreide abfahren oder im Weinberg unterwegs sein." (dpa)
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