Rund 9000 Stellen weniger?
Commerzbank vor tiefen Einschnitten

Wohin geht es mit der Commerzbank? Archivbild: dpa
 
Kommt die Commerzbank (im Bild die Zentrale in Frankfurt) wieder in Fahrt? 2015 gab es nach Jahren wieder einen Milliardengewinn. Nun steht der Bank ein tiefgreifender Umbau bevor. Archivbild: dpa

Deutschlands zweitgrößte Bank will laut Medienberichten fast ein Fünftel der Jobs im Konzern abbauen. Der Umbau bis 2020 soll bis zu eine Milliarde Euro kosten - und Aktionäre empfindlich treffen.

Frankfurt. Die Commerzbank steht einem Medienbericht zufolge vor einem grundlegenden Konzernumbau mit Kosten in Milliardenhöhe. Vorstandschef Martin Zielke wolle die Bank deutlich verschlanken und die Ressorts der Bank auf zwei Säulen stellen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Die Restrukturierung soll demnach bis 2020 dauern und bis zu einer Milliarde Euro kosten. Rund 9000 Jobs würden in den kommenden Jahren wegfallen - fast jeder fünfte Arbeitsplatz bei der Bank.

Mit dem Umbau soll laut dem Bericht die bisherige Kernsparte Mittelstandsbank aufgespalten werden. Künftig könnten kleine Unternehmen im Privatkundenbereich und größere Mittelständler in einer Firmenkundensparte unter Kapitalmarktvorstand Michael Reuther betreut werden. Noch habe der Aufsichtsrat der Bank die neue Strategie nicht abgesegnet. Ein Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Keine Dividende für 2016?


Aktionäre der Commerzbank müssen sich ferner auf eine Streichung der gerade erst wieder aufgenommenen Dividendenzahlung einstellen, wie das "Handelsblatt" weiter schreibt. Angesichts der hohen Kosten für den Konzernumbau plane der Vorstand, die geplante Ausschüttung für das laufende Jahr zu stoppen. Damit würde auch der Bund leer ausgehen, der die Commerzbank in der Finanzkrise gerettet hatte und noch immer noch gut 15 Prozent der Anteile hält. Die Commerzbank hatte für 2015 erstmals seit der Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2007 20 Cent Dividende pro Aktie gezahlt. Bereits vergangene Woche hatte das "Wall Street Journal" online geschrieben, dass mindestens 5000 der konzernweit rund 50 000 Jobs gestrichen werden sollen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte gar von einer fünfstelligen Zahl von wegfallenden Arbeitsplätzen berichtet.

Zielke arbeitet an einer neuen Strategie, um den Gewinnschwund der Bank zu stoppen. Die Bank leidet unter strengeren Vorschriften von Aufsichtsbehörden und den Folgen der Niedrigzinsen. Diese lassen die Zinserträge der Bank gerade im Geschäft mit Einlagen von Privatkunden und im Firmenkundengeschäft schrumpfen. Im ersten Halbjahr hatte die Commerzbank daher einen Gewinneinbruch von mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro verkraften müssen. Nach den Zahlen gab sie ihr Ziel auf, den Vorjahresüberschuss von gut einer Milliarde Euro zu wiederholen. Im Juli musste sie zudem einen Rückgang der wichtigen Eigenkapitalquote hinnehmen. Sie zeigt an, wie dick der Puffer von Banken für Krisen ist.

Vom Bund gerettetDie Commerzbank beschäftigt gut 50 000 Mitarbeiter und erzielte im ersten Halbjahr 372 Millionen Euro Gewinn. Die Bank betreut nach eigenen Angaben 16 Millionen Privat- sowie eine Million Geschäfts- und Firmenkunden. Sie hat bundesweit rund 1050 Filialen. Zudem macht sie Geschäfte in Polen mit ihrer Tochter mBank. Mit Übernahme der Dresdner Bank 2009 kam die Commerzbank in der Finanzkrise ins Schlingern und musste vom Bund gerettet werden. In der Euro-Krise geriet die Bank dann erneut in die Bredouille. Der frühere Vorstandschef Martin Blessing musste mehrfach das Kapital über die Ausgabe neuer Aktien erhöhen. 2015 gab es wieder einen Milliardengewinn. (dpa)
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