RWE verschärft Sparkurs
Talfahrt geht weiter

Es geht weiter nach unten: Deshalb will RWE-Chef Peter Terium erneut den Rotstift ansetzen. Bild: dpa

Bei RWE geht es weiter bergab. Der Konzern setzt auf die Abspaltung der erneuerbaren Energie und einen Börsengang. Und das Sparprogramm wird weiter verschärft.

Essen. Nach einem Verlust im vergangenen Jahr rechnet RWE in diesem Jahr mit keiner Besserung. Um das Ruder herumzureißen, will der Vorstand das laufende Sparprogramm verschärfen. 2015 war der Konzern vor allem wegen Abschreibungen auf die Großkraftwerke und negativer Steuereffekte in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 170 Millionen Euro und damit ein geringeres Minus als im Februar erwartet. 2014 hatte es einem Gewinn von 1,7 Milliarden Euro gegeben. Der Absturz im Tagesgeschäft dürfte sich 2016 beschleunigen. So rechnet der Vorstand damit, dass der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von zuletzt 7 auf 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sinkt. Als Folge der Krise streicht RWE seinen Anteilseignern die Dividende praktisch ganz.

Drohung an die Politik


Vor allem der Verfall der Strompreise im Großhandel setzt dem Versorger zu. Das ließ das betriebliche Ergebnis allein im Geschäft mit Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken um fast die Hälfte auf 543 Millionen einbrechen. In diesem Jahr rechnet der Vorstand mit weiteren Rückgängen. Zu Jahresbeginn waren die Preise für Strom im Großhandel auf 20 Euro je Megawattstunde gesunken. Auf diesem Niveau könnten Kohle-, Gas- und Atommeiler nicht überleben, warnte Terium. Sein Vorstandskollege Rolf Martin Schmitz drohte mit weiteren Kraftwerksschließungen, falls sich die Situation nicht verbessere.

Die Energieversorger pochen darauf, dass ihre Kohle- und Gaskraftwerke als Reserve weiter gebraucht werden, um Stromausfälle in Zeiten mit einem geringen Ökostromangebot zu verhindern. Fürs Bereithalten der nötigen Erzeugungskapazitäten wollen sich die Unternehmen bezahlen lassen. Die Bundesregierung lehnt das ab.

Derweil sieht der Konzern im Ringen um die Finanzierung des Atomausstiegs Fortschritte in den Gesprächen mit der Bundesregierung. "Ich bin zuversichtlich, dass hier eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden werden kann", erklärte Terium.

Sparprogramm verschärft


Zur RWE-Talfahrt trugen auch hausgemachte Probleme im britischen Vertriebsgeschäft bei. Dort war der Konzern in die roten Zahlen gerutscht, weil die Umstellung eines Computersystems für Kundenabrechnungen völlig misslang. "Was dort passiert ist, war ein Desaster", erklärte Terium. In der Folge häuften sich die Beschwerden. Kunden kündigten scharenweise und konnten oft nur mit Rabatten gehalten werden. Nun will RWE die Tochter mit einem harten Sparprogramm sanieren. Dabei streicht der Konzern rund 2400 der zuletzt 11 500 Stellen. Konzernweit will RWE die Kosten bis 2018 um weitere 500 Millionen Euro drücken. Bislang wollte RWE 2 Milliarden Euro einsparen. Dabei will der Konzern auch noch einmal an die Kraftwerkssparte ran. Wie viele Stellen davon betroffen sein werden, ist noch offen.

Mit dem radikalen Umbau von RWE ändern sich auch Name und Rechtsform für den überwiegenden Teil des Traditionskonzerns. Die Zukunftsgesellschaft des Energieriesen für erneuerbare Energie, Netze und Vertrieb mit rund zwei Dritteln der Beschäftigten wird nach der Gründung am 1. April zunächst RWE International SE heißen, sagte Terium. Ein Name für den Übergang wird etwa zur Eintragung ins Handelsregister benötigt. Im Sommer will RWE dann den endgültigen Namen für die Gesellschaft bekanntgeben. Die bisherige RWE AG besteht weiter und führt unter anderem die Kraftwerke. SE (Societas Europaea) ist eine Rechtsform für Aktiengesellschaften im Europäischen Wirtschaftsraum.
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