Sanktionen gegen Russland stärken China

Wirtschaftskrise, Rubelschwäche und Sanktionen machen Russland zu schaffen. Auch deutsche Unternehmer bekommen dies zu spüren. Müssen sie zudem wachsende Konkurrenz aus China fürchten?

Nach mehr als einem Jahr westlicher Sanktionen gegen Russland ist die Stimmung der deutschen Unternehmer im Riesenreich schlecht. "85 Prozent der Firmen beurteilen die Wirtschaftsentwicklung in Russland negativ oder leicht negativ", ergab eine Umfrage der Auslandshandelskammer (AHK) in Moskau. Schuld daran seien aber nicht nur die Strafmaßnahmen wegen der Ukraine-Krise. Vielmehr sei die schwache Gesamtsituation dem niedrigen Ölpreis und versäumten Strukturreformen geschuldet, teilte die AHK am Freitag mit. "Die Sanktionen verstärken diesen Trend nur", erklärte AHK-Präsident Rainer Seele. Vor allem der andauernd schwache Rubelkurs drücke auf das Jahresergebnis der Firmen.

Dennoch sei das Investitionsinteresse der rund 6000 deutschen Unternehmen in Russland ungebrochen. Für knapp drei Viertel sei das rohstoffreiche Land unter den Top Ten der Zielmärkte, für ein Viertel sogar auf Platz eins, geht aus der Umfrage hervor. An einen politischen Erfolg der Sanktionen glauben drei Viertel der Unternehmen aber nicht. Stattdessen fürchtet die deutsche Wirtschaft wachsende Konkurrenz aus China. Seit Beginn der Sanktionen hofiert die russische Führung verstärkt das Reich der Mitte und zielt auf chinesische Investitionen und engere Wirtschaftsverbindungen mit Peking ab. "Wenn die Sanktionen verlängert werden und sie noch zwei oder drei Jahre gelten, dann können wir ein Problem bekommen", sagte der Moskauer AHK-Chef Michael Harms. Weiter sagte er: "Was wir fürchten, ist eine unfaire Konkurrenz, die durch politischen Druck entsteht." In Unternehmerkreisen heißt es, dass russischen Firmen von Behörden nahegelegt werde, sich Lieferanten in Asien zu suchen.
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