Schadenersatz gefordert
Auch Daimler streitet mit Zulieferer Prevent

Der Firmensitz des Automobilzulieferers Prevent in Warmenau bei Wolfsburg. Derzeit streitet der Zulieferer sich mit den Autobauern Daimler und Volkswagen. Bild: dpa
 
Meist liegt es im Verborgenen, nun steht es im Licht der Öffentlichkeit: das Getriebe eines Autos. Töchter des Zulieferers Prevent haben die Versorgung von Volkswagen gestoppt. Deshalb fehlen dem Autobauer unter anderem Teile für Getriebe. Bild: dpa

Volkswagen ist nicht der einzige Autohersteller, der mit dem Zulieferer Prevent im Clinch liegt. Beim Autobauer Daimler hat die Auseinandersetzung allerdings weit weniger dramatische Auswirkungen.

Stuttgart/Braunschweig. Neben Volkswagen streitet auch der Autobauer Daimler mit dem Zulieferer Prevent vor Gericht. Vor dem Landgericht Braunschweig wolle der Lieferant 40 Millionen Euro Schadenersatz erstreiten, sagte ein Sprecher des Gerichts am Montag. Prevent sehe Verträge von Daimler als nicht erfüllt und nicht wirksam beendet an. Am 8. November werde zunächst die Frage geklärt, welche Kammer für das Verfahren zuständig ist. Nachdem die Klage beim Landgericht Braunschweig zunächst von der Handels- zur Zivilkammer weitergereicht wurde, sieht das Gericht nun die Zuständigkeit eigentlich in Stuttgart.

Vor dem Landgericht Stuttgart war die Prevent Dev GmbH im Jahr 2014 mit einer einstweiligen Verfügung gescheitert. Weder Daimler noch Prevent wollten sich zu dem Verfahren äußern. Im Jahresabschluss des Unternehmens ist die Rede von 2013 gekündigten Aufträgen und einem "Abzug des Lieferumfanges" der Daimler AG im Jahr 2014. Dem Vernehmen nach geht es um Sitzbezüge, allerdings nicht von der Tochter Car Trim.

Keine Lieferschwierigkeiten


Eine Daimler-Sprecherin bestätigte Lieferbeziehungen mit Prevent und Prevent-Gesellschaften. Es gebe aber keine Lieferschwierigkeiten. Car Trim sei derzeit kein Serienlieferant von Mercedes-Benz. Die ES Automobilguss habe den Autobauer früher beliefert. "Derzeit besteht keine Lieferbeziehung", so die Sprecherin. Der Lieferstopp von ES Automobilguss versetzt die dortige Belegschaft in Zukunftsangst. Die Sorgen bei den rund 350 Mitarbeitern und deren Familien seien groß, die Informationen aus dem Unternehmen dünn, hieß es am Montag aus Kreisen der Belegschaft. Informationen der dpa zufolge soll es heute bei ES Guss in Schönheide eine Betriebsversammlung geplant. Der Zulieferer ist auf Gussgetriebeteile spezialisiert und legt derzeit mit einem Lieferstopp Volkswagen lahm.

Bei Volkswagen wirbelt der Lieferstopp von Prevent die Produktion durcheinander. Grund sind fehlende Getriebeteile und Sitzbezüge von ES Automobilguss und Car Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören. In Emden, Wolfsburg, Zwickau, Kassel, Salzgitter und Braunschweig könnten insgesamt 27 700 Mitarbeiter teils noch bis Ende August nicht so arbeiten, wie es eigentlich geplant sei, teilte der Konzern mit.

Die Versorgung der Produktion mit Bauteilen mehrerer Volkswagen-Werke sei unterbrochen, teilte VW am Montag mit. Der Autobauer sprach von "Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit". Die weitere Entwicklung sei "nicht absehbar". "Volkswagen versucht weiterhin, eine Einigung mit den Lieferanten herbeizuführen." Die Probleme in den Werken reichen zeitlich vom 18. August für das Passat-Werk in Emden bis hin zum 30. August für das Motoren-Werk in Salzgitter.

"Aufträge gekündigt"


Die Zulieferer behaupten, VW zwinge sie zu dem Lieferstopp, da der Autobauer "frist- und grundlos" Aufträge gekündigt habe und einen finanziellen Ausgleich dafür ablehne. Der Lieferstopp geschehe zum Selbstschutz und im Kampf für die Zukunft der eigenen Mitarbeiter. Nach Experteneinschätzung könnte der Lieferstopp zu einer Belastungsprobe für die Branche werden. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, sagte, es drohe nicht nur Kurzarbeit in mehreren Fabriken - hinter der Produktion des VW-"Golf" stünden auch rund 500 Top-Lieferanten, die zunehmend in Schwierigkeiten gerieten. Betroffene Firmen könnten derzeit ihre Teile nicht ausliefern und müssten Bestände aufbauen. Damit ziehe sich das Problem wie eine Kettenreaktion durch die gesamte Lieferkette.
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