Schicksalsstunde
Ringen um Kaiser’s Tengelmann

Gehen für Kaiser's Tengelmann bald die Lichter ganz aus? Am Donnerstagabend berieten die Chefs von Tengelmann, Rewe, Edeka mit Vertretern der Gewerkschaft Verdi über die Zukunft der Supermarktkette. Bild: dpa

Bange Stunden für Tausende Beschäftigte bei Kaiser's Tengelmann: Was wird aus ihren Arbeitsplätzen, falls die Supermarktkette zerschlagen wird? Können die Jobs trotzdem gesichert werden? Ein Krisengipfel am Donnerstagabend brachte keinen Durchbruch.

Düsseldorf. Die Zeichen für die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann stehen auf Zerschlagung - der Komplettverkauf an Marktführer Edeka scheint immer unwahrscheinlicher. Rewe-Chef Alain Caparros, der das Geschäft vor Gericht hatte stoppen lassen, warb am Donnerstag noch einmal für eine Aufteilung der über 400 Standorte unter den Wettbewerbern. Die Arbeitsplätze könnten trotzdem erhalten werden, und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären vom Tisch.

Debatte bis in die Nacht


Am Donnerstagabend trafen sich die Chefs der Ketten Edeka, Tengelmann und Rewe mit Vertretern der Gewerkschaft, um über die Zukunft der Kette mit über 15 000 Arbeitsplätzen zu beraten. Nach drei Stunden vertagte sich die Runde. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen. Man sei sich einig, "die Gespräche zeitnah fortzuführen", hieß es in einer knappen Mitteilung nach dem Gipfel. Ziel sei es, "eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden." Inhalte des Treffens drangen nicht nach außen. Am Freitag könnte der Tengelmann-Aufsichtsrat allerdings bereits die Zerschlagung besiegeln.

"Wir können die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern, indem wir gemeinsam den Weg freimachen für eine faire Aufteilung der Märkte", betonte Caparros kurz zuvor. Auch andere Konzerne wie Tegut oder Norma äußerten erneut Interesse. "Eine Übernahme der Tengelmann-Filialen im Raum München ist für Tegut eine Option, die wir ernsthaft prüfen würden", sagte eine Sprecherin. Er sei bereit, für alle von Rewe übernommenen Märkte die in der Ministererlaubnis formulierten Auflagen zur Sicherung der Arbeitsplätze, zur betrieblichen Mitbestimmung und tarifvertraglichen Bezahlung zu akzeptieren, betonte der Rewe-Chef.

Der Betriebsrat von Kaiser's Tengelmann fordert hingegen den Erhalt der hoch defizitären Kette. "Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt", sagte Manfred Schick, Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern.

Branchenprimus Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit Ministererlaubnis aushebelte. Unter anderem Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde eingelegt und vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis. Der Rewe-Betriebsrat verteidigte das Vorgehen des Konzerns. "Wir bei Rewe haben sehr viel Verständnis für die schwierige Lage, in der sich die Kollegen bei Kaiser's Tengelmann befinden. Aber auch bei unseren Rewe-Mitarbeitern - vor allem in Berlin und in Bayern - gibt es große Sorgen über die Sicherheit der Arbeitsplätze", sagte Gesamtbetriebsratschef Andreas Ratzmann. Edeka würde nach einer Fusion eine absolut marktbeherrschende Position erreichen.
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