Schicksalsstunden für VW-Boss Winterkorn

Das ist ein No-Go, das geht gar nicht. Solche Probleme müssen intern besprochen werden, das darf nicht nach außen getragen werden.

Wann entscheidet sich die Zukunft von Martin Winterkorn? Der engste Zirkel des VW-Aufsichtsrats hatte am Donnerstag getagt. Zuletzt war die Luft für den Konzernchef bereits dünner geworden. Heute soll es eine Mitteilung geben.

Im Machtkampf bei Volkswagen hat sich auch am Donnerstagabend keine schnelle Lösung abgezeichnet. Zwar traf sich der engste Kreis des VW-Aufsichtsrats am Nachmittag in Salzburg, um über einen Ausweg aus der Führungskrise zu beraten. Doch das sechsköpfige Präsidium des Kontrollgremiums ging am späten Abend auseinander, ohne eine Entscheidung mitzuteilen. Das Sondertreffen hatte gegen 15 Uhr begonnen. Mit von der Partie war auch VW-Chef Martin Winterkorn.

Hängepartie endet

Nach dpa-Informationen will das Aufsichtsgremium heute "im Laufe des Tages" eine Erklärung abgeben. Zum Inhalt wurde zunächst nichts bekannt. Ob die Erklärung nur Zwischenstände liefert oder die Führungskrise in dem Konzern nach rund einer Woche Hängepartie abräumen soll, war ungewiss.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch war vor wenigen Tagen von Winterkorn abgerückt. "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", hatte er dem "Spiegel" gesagt und damit für Turbulenzen bei VW gesorgt.

Das Präsidium ist mit seinen sechs Mitgliedern der Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats und bereitet entscheidende Weichenstellungen vor. Im Gremium sitzen: Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (stellvertretender Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sowie Betriebsrats-Vize Stephan Wolf. Winterkorn war bisher als Nachfolger des VW-Patriarchen an der Spitze des Aufsichtsrates gehandelt worden. Mit der Arbeitnehmerseite und den Vertretern Niedersachsen hat sich eine Allianz für Winterkorn ausgesprochen.

Doch es geht möglicherweise nicht ums Stimmenzählen. Übereinstimmend sagen Insider, dass eine offene Frontenbildung gegen Piëch eher unwahrscheinlich ist. Der Aufsichtsratschef und Vertreter der Piëch-Eigentümerfamilie gilt als das VW-Machtzentrum. Wolfgang Porsche ist der Sprecher des Familienzweigs der Porsches, der zusammen mit den Piëchs die Stimmenmehrheit an VW hält. Nach dpa-Informationen waren auch strategische Fragen rund um den Kurs des Vorstandes zumindest ein wesentlicher Teil des Sondertreffens.

Schwache Rendite

Unter Winterkorns gut achtjähriger Ägide - er wurde 2007 Konzernchef - legten die Auslieferungen des Konzerns nach dpa-Berechnungen um 64 Prozent zu, der Umsatz um 86 Prozent, das operative Ergebnis vervierfachte sich. Bei seinem Amtsantritt zählte der Konzern 329 000 Mitarbeiter. Heute sind es, auch dank vier neuer Marken, fast 600 000 Menschen. Allerdings erzielt die Kernmarke VW im Branchenvergleich eine schwache Rendite.
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