Schmidt lehnt Eingriff am Milchmarkt ab

Frankreich will eine kurzfristige Intervention, um den europäischen Milchmarkt zu stabilisieren. Landwirtschaftsminister Schmidt befürchtet, dass ein Eingreifen beim Preis zulasten der deutschen Milchbauern geht.

Deutschland, Frankreich und Polen sind sich uneinig, wie sie den derzeitigen Milchpreisverfall bewältigen sollen. Nach einem Treffen von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit seinen französischen und polnischen Amtskollegen, Stéphane Le Foll und Marek Sawicki, am Montag in Berlin wurde deutlich, dass Frankreich eine Intervention am Markt anstrebt. Schmidt lehnt dies ab. Ein solcher kurzfristiger Eingriff in den Markt könnte zulasten der deutschen Bauern gehen, so die Befürchtung.

Produktion nicht erhöhen

Da die Produktionskosten in Europa unterschiedlich sind, könnte ein aus Sicht der deutschen Erzeuger zu geringer Interventionspreis die Produktion in anderen Ländern ankurbeln, während sie in Deutschland stagniere. Dies würde wiederum zu einem Preisverfall führen. Schmidt sagte, die europäische Landwirtschaft sollte in der jetzigen Situation keinesfalls die Produktion hochfahren. Bei dieser Frage steht die französische Seite unter Druck. Das Treffen in Berlin diente der Vorbereitung des EU-Agrarministertreffens am kommenden Montag in Brüssel. Bis dahin streben die drei Länder eine einheitliche Position an. Man wolle bei dem Treffen konkrete Ergebnisse erzielen, betonten die Minister. Beobachter gehen davon aus, dass nach dem Auslaufen der Milchquote im Frühjahr jetzt eine Marktbereinigung stattfindet.

Protest am Odeonsplatz

Nach Protesten in zahlreichen Städten treffen sich Milchbauern aus Deutschland heute zu einer Abschlusskundgebung in München. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) erwartet mehr als 2000 Bäuerinnen und Bauern auf Hunderten Traktoren auf dem Münchener Odeonsplatz. "Die Bauern sind schon heiß auf die Aktion", sagte Verbandspräsident Romuald Schaber. Auch das Treffen der Agrarminister in Brüssel wollen Landwirte mit Protesten begleiten.

In Belgien haben sich Vertreter von Bauern, Handel und Nahrungsmittelindustrie auf Hilfen für Milch- und Schweinefleischerzeuger geeinigt. Das Programm läuft über die nächsten sechs Monate.

Pro Liter Milch sollen für Bauern etwa 2,7 Cent mehr fließen. Für Milcherzeuger sollen insgesamt 46 Millionen Euro zusammenkommen, für Schweinefleischerzeuger 30 Millionen Euro. Die Bevölkerung sei solidarisch mit den Landwirten, sagte Agrarminister Willy Borsus am Montag einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga zufolge.
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