"Schulden werden nie bezahlt"

Finanzexperte Robert Beer aus Parkstein spricht im Interview mit dem Medienhaus "Der neue Tag" über Griechenland und wie Anleger ihr Geld am sinnvollsten investieren. Bild: Herda

Als Finanzexperte glaubt Robert Beer, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ohne schlimme Folgen für die EU bleiben würde. Außerdem ist er überzeugt, dass Anleger trotz der Niedrigzinsphase bis zu acht Prozent erwirtschaften können.

Robert Beer studierte in München Bauingenieurwesen. Seinen beruflichen Fokus setzte er aber anders. Der 53-jährige Parksteiner ist sein 30 Jahren rund um die Finanzmärkte tätig. Sei es nun als Buchautor, Seminarleiter, Softwareentwickler oder als Vermögensverwalter und Fondsmanager.

Der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras will den Sparkurs stoppen und einen neuen Schuldenschnitt durchsetzen. Wie realistisch sehen Sie es, dass er diesen Kurs beibehält?

Vielleicht hat er eine kleine Chance, das durchzusetzen. Die Politiker in Europa setzen auf große Harmonie und möchten die Euro-Zone um jeden Preis zusammenhalten. Ich bin aber der Meinung, dass Tsipras' Weg nicht der richtige ist. Unter Partnern kann man so nicht agieren. Wenn man sieht, dass die ersten Politiker, auch wichtige wie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, nach Griechenland reisen, dann sind das natürlich Zeichen für die neue griechische Regierung, dass in der EU Unruhe herrscht und dass man besorgt ist. Besser wäre es, Herrn Tsipras kommen zu lassen.

Sind die Bemühungen Tsipras' nicht in gewisser Weise nachvollziehbar? Schließlich hat er Ziele, wie die Macht der Oligarchen zu brechen, Steuern einzutreiben und selbst der Deutsche Gewerkschaftsbund hat kürzlich kritisiert, dass die Sparpolitik, die auf dem Rücken der Bürger ausgetragen wird, ein Ende haben muss.

Das ist tatsächlich das einzig Positive, das ich herauslese. Es ist bei uns nicht ganz angekommen, dass Tsipras in Griechenland selbst einen anderen Kurs fahren möchte. Das wäre richtig lobenswert. Denn das eigentliche Problem liegt im Land selber und dass es dort im Prinzip ganz falsche, schlechte Strukturen gibt. Bleiben wir bei den Finanzthemen: Steuern werden kaum eingetrieben, es gibt eine sehr wohlhabende Oberschicht, die wenig oder überhaupt keine Steuern zahlt und die Sparpolitik wird tatsächlich auf dem Rücken einer breiten Bevölkerungsschicht ausgetragen. Inwieweit der neue Ministerpräsident da irgendwas bewegen kann, weiß ich nicht.

Wie soll eine Lösung gefunden werden zwischen einerseits dem geforderten Schuldenschnitt und andererseits den Hilfszahlungen, auf die die Griechen weiterhin angewiesen sind?

Das ist wirklich sehr schwierig. Das Innenpolitische ist das eine. Was Tsipras in Richtung seiner Partner in Europa rausposaunt hat, das andere. Das geht natürlich nicht. Ich kann nicht zu einer Gemeinschaft, auf deren Hilfe ich angewiesen bin, sagen, es ist noch zu wenig und ich halte mich an Vereinbarungen nicht. Fakt ist: Es geht nicht nur um die Schulden. Die werden aus meiner Sicht nie zurückbezahlt - das ist undenkbar und eine Illusion. Der wichtigste Punkt ist, dass Griechenland neue Gelder braucht und will. Da muss ich mich anders verhalten. Das sollte man ihm auch sehr deutlich machen.

Ob aufgrund einer faktischen Staatspleite oder der Weigerung Griechenlands, konkrete Forderungen zu erfüllen - dass Griechenland irgendwann nicht mehr in der Euro-Zone ist, war nie richtig vom Tisch. Was würde so ein Schritt bedeuten?

Es wäre zunächst ein kleiner Schock, aber kein Drama. Zum Höhepunkt der Finanzkrise war die ganze Geschichte sehr wackelig, weil große Investoren der Euro-Zone misstrauten. Jetzt hat sich das so stark stabilisiert, dass ein Austritt Griechenlands wahrscheinlich keine schlimmen Folgen hätte. Die Euro-Zone wäre befreit davon, Gelder permanent zu zahlen. Ein Grundproblem ist, dass schon der Beitritt Griechenlands mit gefälschten Zahlen stattgefunden hat.

Der Durchschnittsdeutsche fragt sich aber bei all den Meldungen - dazu zählt sicherlich auch die Aufwertung des Schweizer Franken -, wie er am klügsten sein Geld anlegt. Haben Sie Tipps?

Zwei, drei einfache Faktoren sind wichtig. Ich muss wissen, mit welchem Risiko kann ich leben und welche Zeitdauer habe ich für meine Anlage? Aktuell ist es so, dass die Deutschen es gewohnt sind, von Zinsprodukten zu leben - ob nun Sparbuch, Lebensversicherungen oder Bundesanleihen. Jetzt haben wir die Situation, dass der Zins nahezu bei Null ist. Damit muss man sich anfreunden. Deshalb sollte jeder darüber nachdenken, ob diese Anlageform für einen die richtige ist, um Vermögen aufzubauen. Die nächsten zwei, drei, vier Jahre wird das Zinsniveau so weit unten bleiben.

Nochmal konkreter nachgehakt: Sie sagten einmal, dass man sein Geld vielleicht nicht vervielfachen, allerdings sechs bis acht Prozent erwirtschaften kann. Paradiesische Aussichten in einer solchen Niedrigzinsphase. Wie soll das möglich sein?

Das geht natürlich nur über Unternehmensbeteiligungen. Das heißt, in Aktien-Gesellschaften investieren. Leider verbinden die Deutschen den Aktienmarkt mit einer Spielwiese, die hochriskant ist, wo man im Prinzip nur verlieren kann.

Ist es nicht sehr spekulativ und riskant?

Man muss sich überlegen, was es bedeutet, sich an großen Unternehmen zu beteiligen - ob das etwas Hochspekulatives ist. Ich sage nein, dass ist es nicht. Natürlich ist es nicht für jeden geeignet, weil viele den Grundgedanken noch nicht verstanden haben, was es heißt, zu investieren. Die meisten setzen Aktien gleich mit Kursgezappel und Börsenabstürzen und -abbrüchen. In Wirklichkeit, ist es langfristig so, dass, wenn die großen Unternehmen Geld verdienen, ich das als Anteilseigner auch tue. Es ist also eine Frage der Zeitdauer. Es geht hier ums Investieren und nicht Spekulieren. Dazu gehört eine sorgfältige Planung. Leider ist das Wissen darüber in Deutschland oft viel zu gering.

Von welcher Anlagezeit sprechen wir?

Sinnvollerweise länger als fünf Jahre. Wenn sie zehn Jahre Zeit haben, tendiert das Aktienrisiko bei gut ausgewählten Unternehmen gegen null. In den nächsten Monaten dürfte das Geschehen an den Märkten jedoch sehr hektisch bleiben und die Anleger sollten etwas vorsichtig sein und nur ganz gezielt investieren.
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